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Second Sun – der endlose Kampf des Robert P.

SECOND SUN – “KAMPEN GÅR VIDARE”

Veröffentlichungsdatum: 06. November 2020
Länge: 32:04
Label: Gaphals Records
Genre: Prog Rock / Folk Rock

SECOND SUN sind ein Quartett aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Diese eingängliche Information ist wichtig, weil es noch einige andere Künstler mit dem selben Namen gibt. Neben den nordeuropäischen Proggern findet man auf Bandcamp auch eine Alternative Rock Band aus Australien, eine amerikanische Metalcore Band, sowie eine Indie Gruppe aus Großbritannien. Damit dürften den gröbsten Verwechslungen vorgebeugt sein. Es handelt sich folglich um Adam Lindmark (Schlagzeug), Marcus Hedmark (Bass), David Grannas (Gitarre) und Jakob Ljungberg (Gitarre und Gesang). Die vier Schweden präsentieren nun ihr drittes Album “Kampen Går Vidare”, das auf Gaphals Records veröffentlicht wird.

Der Kampf des Robert Pehrsson

SECOND SUN’S “Kampen Går Vidare” ist ein Konzeptalbum, wie es im Buche steht. Der Titel, der übersetzt “Der Kampf geht weiter” heißt, ist dem schwedischen Musiker Robert Pehrsson gewidmet. Pehrsson dürfte einigen Lesenden als Gitarrist und Sänger von Bands wie Dundertåget, Death Breath oder Robert Pehrsson’s Humbucker bekannt sein. Und wie der Titel schon vermuten lässt, geht es um einen fortwährenden Kampf ebenjenes Protagonisten der schwedischen Rock- und Metalwelt. Die A-Seite der Schallplatte ist noch sehr hoffnungsvoll, motiviert und sommerlich gehalten. Die Rückseite wiederum ist eher eine Vertonung des schwedischen Winters, in dem der Protagonist dem Zynismus verfällt und sich lustlos an seinem Schreibtisch verschanzt.

Zwischen Folk, Prog und Heavy Metal

Musikalisch ist “Kampen Går Vidare” ein äußerst ausgefallenes Werk. Wie auch schon auf dem letzten Album “Eländes Elände” mischen SECOND SUN flotten Prog Rock mit einer ordentlichen Portion Folk. Was auf ihrer dritten Veröffentlichung dazukommt, ist ein starker Einfluss aus dem NWoBHM. Es ist also hier und da nicht einfach zu erkennen, ob weite Flanellhosen oder enge Lederkutten besser zum musikalischen Outfit passen. Oder vielleicht auch einfach beides? Zumindest scheint sich die Band für eine Heavy Metal-konforme Tracht entschieden zu haben.

Eines steht so oder so fest: selbst ohne jegliche Kenntnis der schwedischen Sprache bringt dieses Album unheimlich viel Spaß. “Kampen Går Vidare” animiert den ganzen Körper und motiviert die SinneSECOND SUN spielen Prog Rock, der so zackig ist wie einst Focus, und vermengen ihn mit schwedischer Leichtigkeit, melodischem Folk und der Dynamik von frühen Iron Maiden. Nicht zu tanzen ist nahezu unmöglich, wenn die Stockholmer ihr flottes Narrativ über Pehrsson spielen. Außerdem wird es nicht nur an dem COVID-19-bedingten Entzug liegen, dass diese Platte wahnsinnige Lust auf Konzerte macht.

SECOND SUN auf Bandcamp

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Sunset Forsaken – Vier Geschichten und 85 Nerven

SUNSET FORSAKEN – “85 NERVES”

Veröffentlichungsdatum: 28. August 2020
Dauer: 44:11 Minuten
Label: BadMoodMan Music
Genre: Dark Metal / Doom Metal

SUNSET FORSAKEN ist eine Ein-Personen-Band aus der ostukrainischen Stadt Donezk. Einziges Mitglied ist Multiinstrumentalist Andrey Tolok. Tolok hat SUNSET FORSAKEN ins Leben gerufen, um etwas musikalische Abwechslung von seiner Band HAISSEM zu bekommen. Übrigens ist Tolok bei letztgenannter Black Metal Band auch das einzige Mitglied. Dementsprechend geht es hier weniger kalt und atmosphärisch und dafür eher düster und apokalyptisch zur Sache. Mit SUNSET FORSAKEN widmet sich Andrey Tolok einer Mischung aus Dark und Doom Metal im gemächlichen Mid-Tempo. Erst letztes Jahr debütierte die Band mit “CHAMELEON WATERS” und bereits jetzt steht das zweite Release “85 NERVES” in den Startlöchern.

Vier lange Geschichten

Obwohl das Album knapp eine Dreiviertelstunde Spielzeit aufweist, gibt es lediglich vier Titel. Jedes dieser vier Stücke ist ein in sich geschlossenes Narrativ, das zwischen zehn und elf Minuten andauert. So erzählt Tolok in “Dulcet Amnesia” von einem Menschen, der unter schwerem Gedächtnisverlust leidet. “Through the Moon I’ve seen the Sorrow born” handelt vom Erkenntnisgewinn, der beim Beobachten unseres Erdtrabanten entstand. Darauf folgt “The ebony Chasm of Despair”. In diesem Stück sinniert ein namenloser Protagonist über die menschliche Zivilisation, während er selbst gerade einen bodenlosen Abgrund hinabstürzt. Abschließend bleibt noch der Titeltrack “85 Nerves”. In diesem Stück verliert sich eine Frau zunehmend in der Welt ihrer Träume und verliert somit die Bindung zur Realität.

Zwischen Melodie und Finsternis

Das musikalische Thema auf “85 NERVES” von SUNSET FORSAKEN wiederum ist sehr eingängig. Doom Metal in seiner dunklen Form erzeugt tiefschwarze Gedankenwelten voller Apokalyptik und Lethargie. Für letzteres ist vor allem das sehr gemächliche Tempo zuständig. Der Gesang besteht zumeist aus melodischen Growls und wird durch gesprochene und geschriene Backings untermalt. Die melodischen Parts erhalten zusätzliche Unterstützung von der Leadgitarre. Damit erinnern einige Passagen auch etwas an nordischen Melodic Death Metal.

Insgesamt hat SUNSET FORSAKEN ein angenehmes und melancholisches Album zum Nachdenken über Leben und Ableben produziert. Schön wäre es jedoch, wenn die Ein-Personen-Armee dann und wann mal etwas mehr aus dem Schuh kommen würde. Auch wenn das sicherlich die Atmosphäre untermalt, ist “85 NERVES” insgesamt doch sehr eintönig. Es fehlt an Abwechslung und Wiedererkennungswert der einzelnen Stücke. Die eindrucksvollen Arrangements, die interessanten Erzählungen und der gute Sound können das Album daher leider nur auf eine knapp über mittelmäßige Leistung retten.

Bandcamp Profil von SUNSET FORSAKEN

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SILVERED – dunkle Geschichten rund um den Scheiterhaufen

SILVERED – “Six Hours”

Veröffentlichungsdatum: 06. März 2020
Dauer: 65:55 Minuten
Label: Eigenveröffentlichung
Genre: Dark Metal / Doom Metal

SILVERED kommen aus Lecce in Apulien. Die Region kann auch als der Hacken des stiefelförmigen Landes Italien bezeichnet werden. Dort widmet sich die Band seit 13 Jahren der dunklen Seite des Metal. Doch zuletzt wurde es still um SILVERED, liegt das letzte Release “Grave of Deception” schon fast acht Jahre in der Vergangenheit. Umso mehr dürfen sich Liebhabende von Dark und Doom Metal freuen, dass es SILVERED sich im verrückten Jahr 2020 zurückmelden.

Für das Cover Artwork der CD hat sich kein geringerer als der Ausnahmekünstler Daniele Serra gefunden. Wer den begabten Illustrator noch nicht kennt, darf sich gerne über den Link von dessen Talent beeindrucken lassen. Aber auch musikalisch ist hier einiges an apokalyptischer Finsternis geboten.

Im Zeichen der Verdammnis

SILVERED widmen sich auf “Six Years” der Geschichte der Inquisition. Dafür haben sie wahre Geschichten und Erzählungen zur Grundlage hergenommen. Was dabei entstanden ist, sind finstere Vertonungen, die von Hexerei, Schmerz und Machtgier handeln. SILVERED behandeln in den neun Stücken das Leid und die Ungerechtigkeit, die mit den Gräueln der Inquisition einhergingen. Dafür bedienen sich die Dark Metaller an den unheilvollen Elementen des Doom Metal und bauen vor allem gesangstechnisch auch ordentliche Portionen Death Metal ein.

Aber auch eine ganz andere Komponente kommt hier zum Einsatz. Wer SILVERED bereits kennt, wird nicht überrascht sein. Für alle anderen: ja, Dark und Doom Metal lassen sich auch sehr schön mit Akustik vereinen. So fügen sich zwischen groovigen Passagen und brachialen Attacken immer wieder akustische Elemente ein. Melodisch und zugleich finster ensteht somit eine einzigartige Atmosphäre.

Es groovet und proggt

Ein herrliches Beispiel für die Übergänge von Akustik in harte Zerre ist das oben eingebettete Lied “Violent Circles”SILVERED bauen auch in den ruhigen und unverzerrten Teilen starke Spannung auf, bis sich diese im nächsten Angriff entlädt wie ein gewaltiger Blitzschlag. Melodien und Harmonien werden dabei kunstvoll über die Wechsel gezogen und erzeugen somit ein ganzheitliches Klangbild.

Gerade in den Abschnitten, in denen der harte Death Metal Einschlag in den Hintergrund rückt, zeigt sich noch ein ganz anderer Einfluss im musikalischen Konzept von “Six Hours”. SILVERED lassen es sich nicht nehmen, ihr neues Album mit Progressive Metal zu verzieren. So erschafft die Band mit einer Vielzahl unterschiedlicher Einflüsse ein äußerst vielseitiges und abwechslungsreiches Gesamtbild. Gelegentlich wirkt es, als könnten sich die sehr unterschiedlichen Stilrichtungen etwas ineinander verlieren. Darunter leiden Kohärenz und Dynamik ein wenig. Die im Vordergrund stehenden Genres Dark und Doom Metal kommen jedoch zumeist gut rüber.

SILVERED auf Bandcamp

 

 

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MONTAÑA SAGRADA – THE LIVING GREEN

MONTAÑA SAGRADA – “THE LIVING GREEN”

Veröffentlichungsdatum: 25. September 2020
Länge: 17:30
Label: Eigenveröffentlichung
Genre: Sludge

MONTAÑA SAGRADA, auf deutsch “heiliger Berg” ist ein Sludge Trio aus dem Süden Chiles. Wer sich zunächst auf Anspielungen auf den gleichnamigen Film gefreut hat, liegt leider falsch. Und mit der argentinischen Desert Rock Band mit gleichem Namen haben die drei Chilenen nichts gemein. Vielmehr handelt es sich bei der 4-Track EP um eine Veröffentlichung, die historische sowie kontemporäre Sachverhalte thematisiert. Es geht um die Kolonisierung des lateinamerikanischen Kontinents sowie um bürokratische Mechanismen zur Machtvergrößerung, mit denen europäische und indigene Eliten gemeinsam am Untergang der Kultur gearbeitet haben. Wie die Natur (“The Living Green”) im Feuer der Machtgier zu einem riesigen Haufen wurde, wird hier eindrucksvoll mit wütend rasendem Sludge vertont. Geschmückt wird dieses Werk vom farbenfrohen Artwork des chilenischen Künstlers Iñaki Muñoz.

Aus Grün wird Asche

Der Aufbau der EP gestaltet sich wie eine Geschichte, die vom Untergang eines Paradieses handelt. Anfangs steht das Feuer (“First Flame”), welches die satte Natur (“The Living Green”) gefährdet. Da das Inferno von den Mächtigen auf beiden Seiten immer weiter angefacht wird, werden die weniger privilegierten immer weiter verdrängt und ausgelöscht (“Clearing”). Schlussendlich ist nur noch verbrannte Erde und ein staubiges Land voller verlorener Träume übrig (“Wall of Ashes”). Mit dieser Geschichte erinnern die drei Musiker aus Chile nicht nur an die Historie ihrer eigenen Heimat, sondern schaffen auch eine Brücke zu Fragen der heutigen Zeit.

 

Aus Erfahrung extrem

Die drei Musiker von MONTAÑA SAGRADA sind zumindest in Chile alles andere als Unbekannte. denn sie blicken alle auf langjährige Erfahrung zurück. Vincent Zbinden spielte bereits bei ENTROSPECT sowie bei MOURNING SUN. Ramón Pasternak hat sich bei den progressiven Death Metallern von ALL TOMORROWS bereits einen Namen gemacht und auch Rodrigo Morris war zuletzt apokalyptisch mit MAR DE GRISES unterwegs.

Zusammen erzeugen sie ein wütendes und brachiales Klangbild, das keine Gefangenen macht. Die Lieder spielen sich zumeist im mittleren Tempo ab und reißen gelegentlich in doom-lastige Passagen oder auch schnelle Metal Attacken aus. Mit krachendem und gut abgemischten Sound haut das Trio gehörig auf den Putz. Darüberhinaus ist die Atmosphäre stets düster, brachial und aggressiv.

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SLOMOSA – In der Wüste wenig Neues

 SLOMOSA – “SLOMOSA”
Veröffentlichungsdatum: 
28. August 2020
Länge: 37:54
Label:  Eigenveröffentlichung
Genre: Desert Rock / Stoner Rock

Es gibt Dinge, die passen einfach zusammen. Und manchmal ist auf den ersten Blick gar nicht so klar, warum die eigentlich so gut zusammen passen. Eines dieser Phänomene ist Stoner und Desert Rock aus Skandinavien. Es braucht keinen akademischen Abschluss in Geographie um zu erkennen, dass die Heimatstadt von SLOMOSA Bergen recht weit von der Wüste entfernt ist. Und dennoch kommen gerade aus den skandinavischen Ländern einige der besten Wüstenrock Bands unserer Zeit. DOZER, GREENLEAF, BRUTUS und SPIRITUAL BEGGARS sind nur einige Beispiele dafür.

In dieser Reihe darf sich nun auch Bergen’s Quartett SLOMOSA wähnen. Die vier Musiker aus der zweitgrößten Stadt Norwegens platzten in diesem Sommer mit ihrem selbstproduzierten und selbstbetitelten Debut auf den Musikmarkt. “Slomosa” ist standesgemäß mit einem Kamel auf dem Cover geschmückt, und kann seit Ende August Digital, auf CD oder auf Vinyl erworben werden.

Melodischer Wüstenfuzz

Somit leisten sich SLOMOSA einen soliden Einstand. Dabei reichen die Einflüsse von den schwerfälligen Desert Rock Giganten THIN WHITE ROPE über den krachigen Desert Fuzz à la SLOBURN bis zum zackigen und melodischen Skandivavien Blues, wie BRUTUS ihn spielen. Die Strukturen sind eingängig, aber nicht langweilig und mit ihrer bunten Klangwelt erzeugen SLOMOSA eine farbenfrohe Atmosphäre zum Autofahren, Duschen und Tanzen. Zackig, fuzzgeladen und mit angenehmer Dynamik bewegt das Album den Körper. Herausstechend ist hier die Akzentuierung im Song “Just to be”, die einen flotten Blues in ausgefallene Richtungen verschiebt.

Kalte Wellen und Wanderdünen

Im Zentrum steht der hypnotisierende Gesang, der sich gekonnt von den rauen und harmonischen Arrangements absetzt. Die Musik auf “Slomosa” bewegt sich mal wie eine schroffe Brandung bei Flut und ist andermal dezent wie Sandanhäufungen in der Wüste. SLOMOSA verstehen es, die Zuhörenden an sich zu fesseln und mitzureißen. Da könnte man manchmal ganz vergessen, dass das Album an sich gar nicht soooo innovativ ist. Der Desert Rock wird weder neu erfunden noch revolutioniert. Nichtsdestotrotz bereitet es wirklich viel Freude, dieses kurzweilige Album mehrfach durchlaufen zu lassen.

SLOMOSA auf Bandcamp

 

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