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WOLFSZEIT 2021 – WARUM LIEGT HIER EIGENTLICH STROH?

Merlin: Alle Jahre wieder kommen im Spätsommer die Wölfe zusammen, um gemeinsam ein Fest zu begehen: Das WOLFSZEIT. Nichts kann sie aufhalten! Mit Masken, Tests und Auflagen trotzen sie Corona, mit Kutte und Kapuze dem Regensturm, mit Bier, Met und Cocktails den frostigen Temperaturen. Das WOLFSZEIT 2021 war trotz Wind und Wetter eine wahre Freude, und wir berichten euch davon!

Die Ankunft

Mich: Es ist Mittwoch, der 25.08.2021, und wir sind angekommen! Endlich wieder auf dem wundervollen Originalgelände inmitten des Crispendorfer Nadelwaldes, findet ab heute das WOLFSZEIT-Festival zum fünfzehnten Mal statt. Eisenbahnschienen, zerfallene Hütten, Tischtennistische aus kaputtem Beton und herumliegende Baumaterialien begrüßen die Frühangereisten zwischen vereinzelten Tannen und Birken in heimeligster Manier, während das Camp auf der einen Seite von einem schier endlos hohen Waldhang und auf der anderen von dichter Vegetation und einem vorbeifließenden Bach eingegrenzt wird.

Auch ist heute noch nichts von dem angekündigten Schlechtwetter zu vernehmen! Im Gegenteil – Angenehm wärmende Strahlen dringen durch die Blätter- und Nadelkronen und machen den Aufbau von Zelten und Pavillons zu leichter Arbeit; sowie den Verzehr des ersten billigen Dosenbiers zum erfrischendsten Hochgenuss. Allein von der parkeigenen Bimmelbahn Crispi ist nichts zu sehen außer leeren Gleisen und einem geschlossenen Bahnhof.

Das Erwachen

Nach erfolgreich durchzechter Nacht dämmert der Donnerstagmorgen dann mit erstem Regengeprassel und verdientem Kopfgebrumme. Noch hält sich das Wetter aber stabil genug, dass man gemütlich Zeit hat, unter dem Pavillon zu genesen. Wenn ich zurück an das frostige Schlammdesaster von letztem Jahr denke, bin ich dafür sehr dankbar. Plötzlich dröhnt ein massiver, basslastiger Wall aus Ton vom Festival-Infield ins Camp herüber und übertönt all die Zeltplatzmusik, die bisher aus billigen Bluetooth-Boxen die Szenerie dominierte. Es ist der erste Bühnensoundcheck, und hui! Wenn die Bands alle so gut klingen wie das, was uns da gerade in Form von VARGs Musik um die Ohren fliegt, dann wird das ein richtig erfolgreiches Festivalerlebnis – ob’s denn nun regnet oder nicht. Ein richtig klarer, drückender Bühnensound ist das Fundament, auf dem die wirklich guten Konzerterfahrungen aufbauen.

Als der Check nach einer halben Stunde vorbei ist, dröhnt plötzlich das nächste Geräusch durch Wald und Wiesen, und wirft ein weiteres Mal alle Halbeingepennten fast vom Campinghocker: Es ist die Hupe der Bimmelbahn. Crispi lebt! Es hat noch keine Band gespielt und der Tag grenzt schon an Perfektion.

Das Ritual

Das erste Ritual seit 2020

Nachdem sie aufgrund der ersten paar ordentlichen Regenschauer um fast eine Stunde verschoben werden musste, ist es nun an der Zeit für die Eröffnungszeremonie mit dem Schamanen VOENIX. Seit letztem WOLFSZEIT hat er dank Pandemie keine größeren Rituale durchführen können. Darum ist er heute mit Freuden wieder dabei, um die alten Götter anzurufen und die Geister des Waldes um Erlaubnis zu fragen, ihren geweihten Grund nutzen zu dürfen. Mit Rauch von Salbeiblättern und einer Handtrommel werden negative Energien jener Zuschauer vertrieben, die es wünschen; später wird dann jedem noch die Möglichkeit gegeben, das Methorn zu heben, um entweder einen Spruch an die Götter auszusprechen oder auch etwas Persönliches loszuwerden. Ironischerweise fällt in der Sekunde, in der der letzte Trommelschlag verhallt, auch schon wieder der nächste Regentropfen vom Himmel.

Lasset die Spiele beginnen

BLODTAKE machen den Tag zur Nacht ©Crow

Merlin: Zeit wird’s, dass wir dem Wetter etwas entgegensetzen, und zwar harte Musik! Diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen, als Opener, BLODTAKE. Ihr Rezept? Dunkle Outfits, rot-schwarze Schminke und hypnotisierende weiße Kontaktlinsen. Dazu Musik auf’s Fressbrett. Die Schwarzmetaller sind gekommen, um den Regen einfach wegzubrüllen. Brachialer Black-Death, melodisch, mit viiielen Growls. Wenn er doch mal kurz Pause hat, nutzt Sänger SCATHER sie, um die 30 bis 40 Mann anzuheizen, die sich trotz des ausgemachten Scheißwetters vor die Bühne getraut haben. “Zum Wohl, auf euch, prost!” – das lassen sich die meisten nicht zweimal sagen.

Trotz (oder wegen?) des Regens ist auch der Sound ziemlich gut, nur mit dem Mikrophon gibt es kurz Probleme, die aber zum Glück rasch behoben werden können. Und so kann SCATHER abschließend noch einmal seiner Band wie auch den Zuhörern vor der Bühne verbal auf die Schulter klopfen: “Ihr seid alle nicht weggelaufen, so scheiße kann’s nicht gewesen sein!

Die Mumien

Da fliegen die Fetzen: MAAHES ©Crow

Mich: Wenn Monolithen und riesige Ankh-Kreuze das Bühnenbild zieren und in das Ebenbild eines ägyptischen Grabmals verwandeln, kann es sich nur um ein MAAHES-Konzert handeln. Mit bandagierten Gesichtern und schwarzen Umhängen treten die bayrischen Black-Metaller vor und legen nach wenigen Sekunden atmosphärischen Intros los: Mal klingen sie roh nach mittneunziger-MAYHEM, mal bricht hart die DIMMU-BORGIR-Epik aus ihnen heraus. Vor allem bei den Songs der 2016er-EP “Ancient Force” brettert auch auffällig der Thrash Metal mit, und so ergibt sich ein abwechslungsreiches, aber dennoch stimmiges Spektakel für schwärzeaffine Konzertgänger der heutigen Zeit. Highlight ist dabei die Stimme des Sängers: Alleszerfetzend stechen seine hellen Screams aus der Musik heraus und bleiben dabei immer kontrolliert und von hoher Energie.

Das Einzige, was mich (und scheinbar einige andere) ein bisschen irritiert, ist, dass sich so einige der Texte mit griechisch-mythologischen Themen zu befassen scheinen, während man bei der Aufmachung und dem Namen doch eher etwas in Richtung altägyptischer Symbolik erwarten könnte. Dieses kleine Flavor-Fail ist allerdings angesichts der großartigen musikalischen Leistung schnell vergessen und verziehen.

Werft das Stroh den Wölfen zum Spaß vor!

Währenddessen werden von Mitarbeitern des Festivals haufenweise Strohballen aufs Infield geschleppt und dort am Boden verteilt. Wahrscheinlich, um kommenden Überschlammungen entgegenzuwirken – vorerst jedoch hat die Strohballschlacht begonnen.

Der Tanz im Regen

Merlin: Ich bin ja auf Festivals immer ein großer Fan von Folk-Metal Bands, weil sie meist heitere Stimmung und gesunde Bewegung versprechen. Leider tut das Wetter sein Möglichstes, um alle Erwartungen zunichte zu machen. Und so müssen UKANOSE mit vereinten Kräften (sechs Mitglieder zählt die Band) gegen den schier unersättlichen Regen ansingen, während eine niedrige dreistellige Zahl an Zuhörern misstrauisch unter Kapuzen und Regenschirmen hervorlugt. Die junge litauische Band lässt sich aber nicht abschrecken, vor allem dem der kurzhaarige Bassist strahlt gegen den Niederschlag an, dass es eine Freude ist. Während er und seine Kollegen an den Instrumenten blaue Gewänder tragen, sind Sängerin und Sänger jeweils mit einer roten Robe ausgestattet.

Das unbestreitbar großartigste Foto des Auftritts von UKANOSE ©Stefan Schuhmann

Die Musik von UKANOSE, was übersetzt übrigens so viel wie “im Nebel” bedeutet, ist zunächst eher ruhig als mitreißend, und ich befürchte bereits, dass die Folk-Metaller den Stimmungskampf gegen das Wetter verlieren werden. Doch dann spricht Sänger JOKUBAS die magischen Worte, die den Bann brechen: “The next song is about Schnaps!” Und ab da wird es großartig! Auf einmal ist der Bassist nicht mehr der Einzige mit guter Laune. In das Publikum kommt endlich Bewegung, es wird gehüpft, mitgewippt und die Haare geschüttelt. Sängerin GRETA zeigt ganz nebenbei, dass sie auch noch Querflöte spielen kann, und zum letzten Song “Sena Patranka” hakt sie sich bei JOKUBAS ein und beide hopsen im Kreis umeinander. Der Auftritt endet so freudig, dass ich gleich nach Verklingen der letzten Töne euphorisiert zum Merch-Stand stapfe, um mir das neuste Album der Band, “.​.​.​kai griaudėjo miškai​.​.​.”, auf CD zu kaufen. Auch wenn ich 15 Euro für vier Tracks, respektive 18 Minuten Spielzeit, doch etwas happig finde…

Meine Damen und Herren: THORMESIS! ©Crow

Nach einer kurzen Pause (leider nicht vom Regen…) wird es nun Zeit für THORMESIS. Eine Band ganz ohne aufwändige Kostüme oder Schminke. Die Mittelfranken spielen klassischen Black-Metal gepaart mit Rock ’n’ Roll Elementen, was gut Zuhörer anzieht. Selbige trotzen ausgerüstet mit Regenjacken und -schirmen der Witterung, vereinzelt lässt sogar hier und da ein Unerschütterlicher die pudelnassen Haare fliegen. Ich muss ehrlich sagen: So mutig bin ich nicht. Ich suche mir lieber einen Unterschlupf unter dem größeren der beiden Fresszelte, um THORMESIS von dort zu lauschen. Selbige spielen ihr Set ohne größere Zwischenfälle souverän herunter, ohne dabei in Schlechtwettermanie zu verfallen. Ein harmonischer Auftritt, der aber bei besserem Wetter vermutlich noch mehr Spaß gemacht hätte. Denn dann hätte man zum melodischen Black ‘n’ Roll mit Sicherheit ein Vielfaches an Haaren rotieren sehen – inklusive meinen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Mich: Aschfahl und mit trügerisch lauernder Ruhe liegt die Wolkendecke über der blau beleuchteten Bühne, als drei Männer mit tief im Gesicht hängenden Kapuzen aus der künstlichen Nebelwand hervortreten. Was nun folgt, lässt sich kaum mit einem anderen meiner diesjährigen Konzerterlebnisse vergleichen. Still und ruhig, geduldig und atmosphärisch legen sich die Klänge von FORNDOM wie ein weicher Saum über das Publikum. Die beiden äußeren Ritualisten bedienen mit großer Stete schamanisches Trommelwerk, während der Mann in der Mitte beschwörende Gesänge in die zunehmends schwärzer werdende Nacht hinausruft. Für zusätzliche Tiefe sorgen Aufnahmen obskurer Instrumente und stehender Keyboardtöne, die sich nahtlos in das Soundbild einbauen und die Menschen mit auf eine Reise in fremde Sphären nehmen. Ein schöner und beruhigender Moment, der kurzzeitig von der regendurchsetzten Black-Metal-Festivalathmosphäre abzulenken vermag.

FORNDOM oder Die Ruhe Selbst ©Stefan Schuhmann

Bloß gegen Mitte des Konzert bohrt sich auf einmal der ein oder andere Regentropfen durch diese Erfahrung innerer Stille hindurch und schlägt kalt auf Haut und Haargewirr auf, und der ein oder andere torkelnde Depp stört lallend und fallend die Harmonie des Augenblicks.

Der Sturm

Im Duett vereint: FREKI und FYLGJA ©Crow

Es folgt das Kontrastprogramm: VARG höchstselbst. Mit genau dem geilen Sound im Rücken, der schon heute Morgen beim Soundcheck ertönte, haben die Wölfe nun endlich die Möglichkeit, gebührend das (mittlerweile über ein Jahr alte) neue Album “Zeichen” auf der Bühne zu präsentieren. Man merkt auch dem Publikum den Drang an, sich der Energie der Musik hinzugeben und in der geballten Wucht dieser Erfahrung aufzugehen. Das Scheißwetter ist plötzlich scheißegal, und es herrscht große Bewegung in der Masse. Unterstützt wird die Band in einigen Songs nun außerdem von wohlklingendem weiblichem Gesang: FYLGJA wirkt heute auch in Liedern mit, in denen auf Platte ihre Stimme nicht zu hören ist. Das Ganze nicht selten in Form von theatralisch dargebotenen Duetten zwischen ihr und Leadsänger FREKI.

The power, the pose, the presence ©Crow

Letzterer hat zudem anscheinend im Laufe der Jahre die Fähigkeit erworben, neben seinen altbekannten geschrienen Vocals nun auch tiefe Growls zu produzieren, die live richtig gut Wirkung zeigen. Highlights in der Setlist sind neben altbekannten Brechern wie “Schwertzeit” oder “Blutaar” für mich definitiv “Wildes Heer” und der epische neue Titeltrack “Zeichen”. Auch die paar technischen Problemchen, die sich während des Konzerts ergeben (zwei Lieder müssen neu begonnen werden und ein Licht will nicht funktionieren), können die Atmosphäre dieser Show nicht brechen.

Die Panzerdivision

Ein Mann wie ein Tier: MORTUUS von MARDUK ©Crow

Merlin: Sie kommen gerne besoffen auf die Bühne, nehmen ihre Instrumente auseinander und hauen auch mal zwanzig Minuten vor Ende ihrer regulären Spielzeit von der Bühne ab: MARDUK. Den Schweden, die uns seit nunmehr 30 Jahren Mucke um die Ohren ballern, eilt ihr Ruf als rotzige und trotzige Black-Metaller voraus. Viele feiern sie, andere schütteln nur den Kopf. Aber erwartet werden sie, das kann man nicht anders sagen: Vor der Bühne tummelt sich eine ähnliche große Crowd wie zuvor bei VARG. Ob das wohl auch etwas damit zu tun hat, dass der Regen immer weniger wird und sich just mit Beginn des Konzerts vollständig verkrümelt? Dieser Umstand allerdings zwingt Sänger MORTUUS dazu, sich erstmal eine Flasche Wasser über den Kopf zu kippen, statt einfach den Kopf ins Freie zu halten. Dabei wirkt er doch relativ nüchtern…

Der Himmel hat zu gehorchen ©Stefan Schuhmann

Nach der kurzen Erfrischung geht es dann aber auch zur Sache. Wir sind ja schon 20 Minuten über der Zeit. “Wolfszeeeit!” brüllt MORTUUS, und die Menge johlt zurück. Zu unbarmherzigen Schwarzmetallklängen wird gegrölt und geheadbangt, als gäbe es kein Morgen mehr. Songs wie “Bleached Bones” oder “Materialized in Stone” werden zum Besten gegeben, aber natürlich auch, worauf alle gewartet haben, nämlich “Werwolf” und natürlich “Frontschwein”. Das ist Auf-Die-Fresse-Black-Metal, das funktioniert. MARDUK geben sich sogar die Ehre und schöpfen ihre gesamte Spielzeit aus, ich bin überrascht! Um aber wenigstens einen Teil ihres Images zu wahren, rupft der Bassist nach dem letzten Ton endlich die Saiten aus seinem Instrument und schmeißt sie nebst Plektrum und Wasserflasche ins Publikum. “Das gibt wieder Ärger vom Management”, höre ich einen Zuschauer vor mir feixen. Und der Regen? Hat sich zu keiner einzigen Sekunde mehr her getraut. Als hätten ihn MARDUK einfach einmal böse angeguckt und gesagt “Nein.” Widerstand zwecklos.

Somit wäre der erste Konzerttag geschafft! Jetzt noch ein Gute-Nacht-Bier und dann aber hurtig in die Heia.

Das Stroh

Mich: Der neue Morgen hat bereits ausgedämmert, als wir uns langsam wieder zu Bühne und Fressständen hinbewegen. Auf dem Infield liegt mittlerweile so viel Stroh rum, dass die Kleinsten unter den Besuchern bis zu den Knien darin versinken und die Verkatertsten sich zum Ausnüchtern ein Bett aus dem noch trockenen Getreidemüsli zusammengekehrt haben. (Ein Bett im Kornfeld, das ist immer frei…) Gestern hatte der alternative Bodenbelag in den feuchtesten Stunden so manchem Halt geboten, den es ansonsten auf schlammigem Grund rücklinks hingelegt und mit dem Kopf gegen die Biertischkante gedonnert hätte. Noch besteht die Hoffnung, dass das alles heute aber eher der Dekoration als dem Rutschschutz dienen wird. Beim Verfassen dieser Zeilen allerdings erscheinen dann wie auf Kommando auch schon die ersten Tröpfchen auf dem rissigen Bildschirm meines Mobiltelefons – und zwei Minuten später suche ich mit hunderten von Leidensgenossen unter dem Bierzelt Zuflucht vor der plötzlichen Sintflut.

Zwischen diesen beiden Bildern…
…liegen nicht mal 10 Minuten
BOÖTES VOID. Aber warum hat er eine Maske auf? ©Crow

Unbekümmert von all dem Geschwafel über Regenschauer und Heupower wärmen als erste Band des Tages BOÖTES VOID vor (leider nun zum Großteil geflohener) Crowd die Bühne mit bitterkaltem Black Metal auf. Die Band trägt schwarz maskierte Visagen à la MGŁA, der Sänger zusätzlich noch Widderschädel und Knochenkette – dazu einen offenen schwarzen Mantel bis zum Boden und kein Oberteil. Da war doch irgendwas mit Stroh und einer Maske. Hm. Nee, ich komm nicht drauf.

Die abgelieferte Galaxie

DELIVER THE GALAXY: Per Ansager durch die Galaxis ©Crow

Merlin: Beim nächsten Act dachte ich ob des Namens zuerst, es würde sich um eine Stoner- oder eine Core-Band handeln. Aber nein, DELIVER THE GALAXY haben sich vielmehr einem super nerdig klingenden Genre verschrieben, und ich rede nicht von Zwölftonmusik. Alle Star-Wars- und Enterprise-Fans einmal herhören, es geht um Sci-Fi-Metal! So zumindest die thematisch passende Beschreibung. Was musikalisch dahintersteckt, ist genaugenommen einfach Moderner Melodic-Death-Metal. Und das “Modern” möchte ich an dieser Stelle hervorheben, denn mit Klassikern wie IN FLAMES oder DARK TRANQUILLITY hat die Musik der Kosmonauten recht wenig zu tun. Aber fangen wir doch am Anfang an, nämlich beim Soundcheck. Der glatzköpfige Sänger übt sich schonmal in Ansagen: “Eins, zwei, drei, vier, zählen kann der Typ!” Jup, kann ich soweit bestätigen. Und während ich noch über die zur Battleship-Uniform gehörigen Knieschoner des langhaarigen Gitarristen schmunzle, legt die Band auch schon los.

Die große Flagge im Hintergrund der Bühne zeigt das Cover des 2020 erschienenen Albums “The Journey”, und dieses bildet nun auch die Basis für das Konzert von DELIVER THE GALAXY. Es ist ein Konzeptalbum, das wie schon ihr erstes Werk “Project Earth” die Geschichte von NATHAM erzählt, der sich in der Galaxis gegen feindliche Mächte behaupten muss. Ganz schön abgespaced. Während der Regen weiter ungetrübt aufs Infield donnert, nimmt sich der Sänger zwischen zwei Songs die Zeit für eine Trinkpause. “Ich muss erstmal ’n Schluck nehmen, ist ja staubtrocken bei euch!” Ja… ich muss dann auch mal. Schließlich fährt nur noch heute die Bimmelbahn, und die wollen wir doch auf keinen Fall verpassen! Oder, Mich?

Die Bimmelbahn

Crispi lebt!

Mich: Ja, öhm, also das war aber ziemlich knapp jetzt! Alle überdachten Plätze sind natürlich in der Sekunde schon voll, in der wir noch mit uns selbst hadern, welches der Viererabteile wir denn nun zu dritt besetzen wollen. Somit bleibt am Ende nur noch eine Möglichkeit – und es ist eine, die uns definitiv keiner wegnimmt. Wir steigen im strömenden Regen in den letzten Wagen. Er hat kein Dach, ist nass und gerade dabei, nasser zu werden. Aber ich weiß, wo mein Camp ist und wo mein Handtuch hängt, und ich weiß zudem, dass die Bahn noch die Minute auf mich warten kann. Und so tuckern wir dann bald fröhlich los, mit zwei Regenschirmen über dem Kopf und zwei Handtüchern unter dem Arsch. Irgendwann chillt der verdammte Himmel dann auch endlich mal, und die zweite Hälfte der Runde könnte man schon fast als idyllisch bezeichnen. Immerhin sitzen die Menschen mit der fetten Musikbox und der beschissenen Musik (no offense, hab euch gern) ungefähr fünf Wägen weiter und wir bekommen gar nichts von ihnen mit. Mit der nächsten Bahn ist es dann auch schon Zeit für die nächste Band.

Die brennende Kugel am Himmel

Wo ist die Sonne? Daaa ist die Sonne! ©Crow

Merlin: Warte, was ist das? Ist das etwa… nein, das kann nicht sein. Oder etwa doch? Fuck ja, das ist Sonne! SONNE! Ihr wisst schon, dieses warme runde Ding am Himmel, das wir seit Donnerstag nicht mehr zu Gesicht bekommen haben! Aber zu DALRIADA kommt es, Achtung Wortwitz, goldrichtig. Die Ungarn machen nämlich richtig Laune. Mit ihrer eigenen Mischung aus Metal und traditioneller Volksmusik, ebenfalls von Sänger und Sängerin vorgetragen, holen sie eine gute Zahl an Zuhörern ab, mehr noch als UKANOSE am Vortag. Haider munkeln ja, das könnte etwas mit dem Wetter zu tun haben… DALRIADA haben erst im April diesen Jahres ihr neues Album “Őszelő” veröffentlicht, und geben natürlich einige Songs daraus zum Besten, unter anderem die schwungvolle Hymne “Rákóczi zászlaja”.

Ein Mann, eine Message: ANDRÁS von DALRIADA ©Crow

Sänger ANDRÁS versucht zudem, die Menge mit einer kleinen Inhaltsangabe zu begeistern: “Our next song is about drinking and fucking!”, ruft er ins Publikum. Keine Reaktion. “Come on… do you like drinking?” Vereinzeltes Johlen. “Do you like fucking?” Verschämtes Lachen hier und da. ANDRÁS schüttelt nur verständnislos den Kopf. Aber er gibt nicht auf: Eine Wall of Folk soll her! Die meisten Zuschauer reagieren zwar verhalten, aber eine Handvoll unerschrockener Gestalten findet sich dann doch, die, angeheizt von der Musik, aufeinander zustürmt und sich in einem kleinen, aber feinen Moshpit ergeht. Unter den Strahlen der unerwartet warmen Sonne wird gewippt, getanzt, geschupst und geheadbangt. Ein geradezu herzerwärmendes Bild nach all dem tristen Regen! Die melodischen-mitreißenden Folk-Klänge könnten gar nicht besser dazu passen. DALRIADA schaffen es in hervorragender Kooperation mit dem Wetter, die Festivallaune zurückzubringen. Da kann man schonmal klatschen!

Der Schwarzwald lässt grüßen

Mich: FIRTAN aus dem finsteren Forste fühlen sich wohl kaum irgendwo wohler als auf einer Bühne inmitten tiefen Nadelgehölzes. Und das merkt man! Sie sind hellwach und beehren uns mit einem sauberen und energetischen Set. Dabei kommen unterschiedliche Lieder unterschiedlich gut an: Gerade die komplexeren Tracks, die in der Ära nach dem ersten Full-Length-Album “Niedergang” entstanden sind, beschreibe ich immer gern als eine edle und stark durchdachte Kunst: Man muss sich erst in sie hineinarbeiten, hineinhören, und ihnen Zeit lassen, bis man sie wirklich in ihrer Komplexität verstehen und schätzen lernt. Das sind natürlich Faktoren, die dafür sorgen, dass es gerade in Live-Situationen keine Lieder sind, die man sich einfach mal so geben kann, wenn man die Band noch nicht oder nicht gut kennt.

Voller Stimmeinsatz: FIRTAN ©Crow

Dem entgegen stehen allerdings die eingängigen und nach vorne ziehenden Tracks der ersten EP und des ersten Albums. Diese haben den simplen Vorteil, dass sie – salopp gesagt – einfach alles wegballern. Ein Rezept, das live normalerweise sehr gut funktioniert. In eine ähnliche Kategorie (oder vielleicht irgendwo dazwischen) fallen auch die beiden neuen, noch nicht veröffentlichten Tracks, die FIRTAN heute zum Besten geben. Was zudem ein bisschen auffällt, ist, dass der Frontmann live durchaus eine ganz andere Vocal-Technik benutzt als auf Platte. Während er bei den Aufnahmen eher zu hohen bis stechenden Schreien tendiert, verwendet er zumindest bei diesem Konzert überwiegend mittlere bis auch mal tiefe Growls.

Das Nicht-Konzert

Auf BLACK MESSIAH habe ich mich dieses Jahr mit am meisten gefreut. Umso größer ist die Enttäuschung, als plötzlich Gerüchte von einer Absage umgehen – und diese dann kurz danach vom Veranstalter bestätigt werden. Der Grund: Eine Verletzung. Man habe allerdings für ein Alternativprogramm gesorgt! Und zwar legt der Festivaleigene Meddl-DJ während der eigentlichen Konzertzeit mit einer Spezial-BLACK-MESSIAH-Setlist auf. Aber das ist noch nicht alles! Zusätzlich dazu gibt es währenddessen Happy Hour am Cocktailstand: Jeder White Russian kommt mit einem Gratisshot Irish Coffee.

Der Asenblut-Cocktail – schmeckt bei weitem nicht jedem

Und das war immer noch nicht alles! Jetzt – und nur jetzt – gibt es ein geheimnisvolles neues Getränk! Es trägt den Namen Asenblut und das Rezept ist eine Überraschung. Einige Menschen entscheiden also, einfach mal so zu tun, als sei das DJ-Set ein tatsächliches Konzert, und machen richtig Party vor der Bühne. Der Regen ist weg, die Sonne lugt gelegentlich zwischen Wolken und Koniferenspitzen hervor, und schon kommt auch der Kumpel vom Cocktailstand mit vier Asenbluts zurück. Wider Erwarten aller sind diese nicht etwa tiefrot, sondern weißlich grün. Wir kommen, nach einigen Momenten der Verköstigung, zum Schluss, dass es sich dabei höchstwahrscheinlich um Milch mit Pfeffi handelt.

Leider bleibt trotz ein paar motivierten Headbangern das Feeling eines richtigen BLACK-MESSIAH-Gigs größtenteils aus. Nur als dann am Ende der DJ das gute alte “Sauflied” ansagt und selbst mit dem Mikrofon nach vorne kommt, um ein bisschen für Stimmung zu sorgen, tummeln sich plötzlich ein paar mehr Menschen vor der Bühne, um Tanz und schallenden Mitgesang zu tätigen.

Die scheiß Nutte

Hoch die Bässe! ABLAZ von NACHTBLUT ©Crow

Merlin: Die Fürsten der Nacht sind zurück! Zugegeben, die Entzugserscheinungen sind bei mir noch nicht groß, waren NACHTBLUT doch letztes Jahr erst auf dem WOLFSZEIT FESTIVAL aufgetreten. Das scheint den anderen Festivalbesuchern aber nichts auszumachen. Trotz des wiedereinsetzenden Regens rotten sie sich, mit Schild und Schirm gewappnet, vor der Bühne zusammen. Und das muss man NACHTBLUT lassen, das Wetter beeindruckt sie höchst wenig. Überhaupt, wer sagt schon, dass man bei Regen nicht crowdsurfen kann! …denkt sich Bassist ABLAZ und springt kurzerhand samt Instrument ins Publikum. Sänger ASKEROTH animiert währenddessen fleißig die Menge, fordert sie immer wieder zum Brüllen und/ oder Mitsingen auf, was bestens funktioniert. Nun, es werden halt auch die Songs gespielt, die sowieso jeder mitsingen kann, der NACHTBLUT wenigstens einmal in seinem Leben live gesehen hat. “Ich trinke Blut”, “Frauenausbeiner”, “Lied für die Götter” und natürlich “Antik”.

 

Für den Flex ©Crow

Als aber ein weiterer Klassiker, nämlich “Der Tod ist meine Nutte”, angesetzt wird, gibt es plötzlich technische Probleme und die Musik muss unterbrochen werden. Sänger ASKEROTH ist sichtlich ungehalten: “Die scheiß Nutte will nicht!” Kurzerhand stimmt er eine Reihe anderer Sing-Alongs an, um die Wartezeit zu überbrücken. Und da muss ich sagen: Man kann ja von der Musik halten, was man will, aber eins kann man NACHTBLUT nicht absprechen: Sie haben Bock, und sorgen aktiv dafür, dass das auch beim Publikum so ist. Keine andere Band auf diesem Festival interagiert derart viel mit ihren Zuhörern. Und so feiert zum letzten Song, dem Cover des allseits bekannten PRINZEN– Hits “Alles nur geklaut”, eine feucht-fröhliche Menge ausgelassen den Auftritt der schwarz-weiß bemalten Finstergestalten. Chapeau!

Das war Merlin zu viel

Man liebt sie oder man hasst sie. Oder man kann einfach nicht besonders viel mit ihnen anfangen. Die Rede ist – wie könnte es anders sein – von EISREGEN. Wie schon NACHTBLUT hatten sich auch die Thüringer bereits auf dem letztjährigen WOLFSZEIT die Ehre gegeben. Überhaupt sind sie regelmäßig zu Gast bei den Wölfen. Und das nicht grundlos, immerhin finden sich auch dieses Jahr eine Menge Metaller, die das Phänomen EISREGEN live erleben wollen. Dicht gedrängt mit ihnen stehe ich also unter dem dunklen, tropfenden Himmelzelt vor der Bühne. Allgemeiner Jubel erhebt sich, als Sänger BLUTKEHLE dieselbe betritt. Und los geht es auch schon mit dem ersten Lied: “Mutter schneidet”, vom 2020 erschienenen Album “Leblos”.

BLUTKEHLE: Man kennt ihn. Ob man will oder nicht. ©Crow

EISREGEN sind freilich für ihre expliziten Texte bekannt. Man muss kein Fan sein, um zu wissen, dass diverse ihrer Lieder auf dem Index stehen. Das kann man feiern, mir persönlich wird bei “Mutter schneidet” aber einfach nur schlecht. “Will ich mir das wirklich geben?”, frage ich mich und beschließe doch, wenigstens noch für zwei Lieder zu bleiben. Als nächstes Stück wird “Knochentorte” angestimmt. Das kannte ich noch nicht, dafür aber das folgende: “Eisenkreuzkrieger”. Offenbar sind wir bei den Klassikern angekommen. Und während diese von einem Haufen frenetischer, durchgeweichter Zuhörer mitgegrölt werden, schleiche ich mich, durch eine Mischung aus Matsch und Stroh watend, vom Infield. EISREGEN sind sowieso auch vom Campground aus noch zu hören (erwähnt sei nur die allseits bekannte “Panzerschokolade”). Nun, es sei ihnen gegönnt. Des einen Leid ist ja bekanntlich des anderen Freud.

Der Heidenhammer

Mich: Zur Freude aller (außer vielleicht der Nacktschnecken auf dem Campground) scheint es sich nun endgültig ausgeregnet zu haben. Dafür zieht jetzt feuchtkalter Nebel aus dem durchtränkten Waldboden und hüllt das Festival in ein recht ungemütliches, wenngleich mystisches Ambiente. Meine Schuhe sind (wie letztes Jahr auch schon) undicht – und vom vielen Herumstehen habe ich so langsam das Gefühl dafür verloren, wo meine starr gewordenen Füße aufhören und wo das Gemisch aus Stroh und Sumpfsuppe anfängt. Da helfen auch die Frühstücksbrötchentüten nicht mehr, in die ich heute Morgen notgedrungen meine Socken samt Füßen eingepackt habe.

TYR drehen auf ©Crow

Nun ist die Zeit für das letzte Konzert des WOLFSZEIT 2021 auch schon gekommen. Die Headliner dieses Abends sind TYR von den Färöer-Inseln. Eine Band, mit der ich mich zuletzt vor vielen vielen Jahren auseinandergesetzt habe. Umso gespannter bin ich natürlich darauf, was mich erwarten wird. Beim Soundcheck fällt schon auf: Das Schlagzeug klingt grandios. Richtig klarer, episch halliger Sound mit genug Druck und genau der richtigen Lautstärke. Und gottseidank lässt sich dann auch ähnliches über den Gesamtmix sagen – viel besser könnte diese Band kaum klingen.

Musikalisch sind TYR eine gute Spur Heavy-Metal-lastiger unterwegs, als ich erwartet hätte. Dies allerdings stets, ohne in Banalität oder ausgelutschte Songstrukturen abzurutschen! Proggy und komplex lädt die Setlist ein auf eine bunte Reise zwischen gefühlvollen Balladen, Power-Metal-Mitsingern, Prog-Epen und vierstimmigen Färöischen Männerchor-Passagen. Die Musik von TYR präsentiert sich in vielen unterschiedlichen Tempi und Feelings, und kaum ein Song kommt ohne geschickt eingebaute Taktverschiebungen und unerwartete Zählzeitveränderungen aus – während sich der unverkennbare hauseigene Stil der Band ungebrochen hält.

Den Blick zum Himmel ©Crow

Am meisten Respekt gebührt dabei meines Erachtens Sänger HERI JOENSEN, der neben komplizierten Lead-Gitarren-Spuren konstant anspruchsvolle Melodien und Texte zu bewältigen hat, und dies meisterlich tut. Trotz all der Abwechslung und Kreativität geht TYR (im Gegensatz zu vielen anderen Prog-Bands) dabei selten die Eingängigkeit verloren, was ich wiederum den Heavy-Metal-Wurzeln des Ganzen zuschreiben würde. In einer kleinen Pause zur Bewältigung technischer Probleme gibt’s dann auch noch als Überraschung ein Schlagzeugsolo umsonst, und am Ende natürlich den von allen ersehnten Hit “Hold The Heathen Hammer High”.

Alles in allem also ein gebührender Abschluss für das WOLFSZEIT 2021 – wenngleich sich mir die Frage aufwirft, wieso TYR eigentlich immer von allen Seiten so hartnäckig in die Pagan-Ecke gesteckt werden. Klar, Songtexte und -themen sind wohl schuld daran. Musikalisch jedoch tischen die Jungs schon etwas ziemlich anderes auf als die meisten Bands solcher Veranstaltungen.

Das Ende

Geschafft! Das war mal wieder ein geladenes Bündel an Emotionen, Erlebnissen, Zuständen und Wetterschwankungen. So loben wir uns doch unsere Festivals. Und auch in diesem Jahr hat das Virus das kleine Festivalgelände verschont. Ist euch eigentlich aufgefallen, dass das stachelige Etwas, welches auf dem offiziellen Festival-Coverbild vom großen, bösen Wolf zertreten wird, nicht etwa eine wütende Kastanie sein soll, sondern das Corona-Virus höchstpersönlich? Ich gebe zu, wir haben ein bisschen gebraucht.

Zu bemängeln gibt es lediglich, dass auf Campingplatz B zu wenig Dixi-Klos für zu viele Menschen vorhanden waren. Und vielleicht noch, dass die Bändchenausgabe in diesem Jahr nochmal um einiges langsamer voranging als normalerweise – wobei es diesmal den pandemietastischen Umständen entsprechend natürlich etwas komplizierter zu handhaben war. Sollte man also verzeihen können.

Positiv hervorzuheben ist die gute Vorbereitung auf die Wettersituation: Dank großem Bierzelt mit vielen Bänken konnte man auch in nassen Momenten das Tun auf der Bühne genießen. Und die Sache mit dem Stroh war auch ein kluger Schachzug, der so manch einem ein schlammiges Schicksal erspart hat. Das Essensangebot war zudem divers genug, dass man als Fleischloser weder verhungern noch bei jeder Mahlzeit die gleiche Speise zu sich nehmen musste.

Viel mehr gibt es auch nicht zu sagen!

Dank und Respekt gilt natürlich auch in diesem Jahr der Veranstaltungscrew, dass sie es wieder mal geschafft hat, sich durchzuboxen und trotz Coronazeit ein solch tolles Festival auf die Beine zu stellen!

Danke auch an Marvin! Wir kennen uns nicht, aber hey, ich bin sicher, du hast es verdient. Kein Dank gebührt natürlich dem Scheißwetter. Wir bitten für nächstes Jahr um einen Platzverweis für jegliche Regentropfen und Gewitterwolken. Dann lieber wieder ein paar Wespen mehr, denen kann man wenigstens ausweichen.

Last but not least ein riesen Dank an die Festivalfotografen STEFAN SCHUHMANN und CROW, deren fantastische Bilder diesen Bericht schmücken!

Und das wars! Cheers, und wir sehen uns wie immer beim nächsten Mal!

Meddl on, Loide!

Der Beitrag WOLFSZEIT 2021 – WARUM LIEGT HIER EIGENTLICH STROH? erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.

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SILENCE MUSICFRIDAY #38

Herzlich willkommen zum Wochenendeinklang hier beim Magazin eures Vertrauens. Beim Musicfriday geben wir euch an besagtem Wochentag einen kleinen Überblick über die erschienen Singles, Musikvideos oder Alben, die unsere Autoren bewegen. So soll es hier nicht darum gehen, ALLES zu präsentieren, was so in der Metalwelt und knapp daneben veröffentlicht wurde, auch wird sicher nicht jede Woche für jeden etwas dabei sein, aber vielleicht stolpert ihr durch unsere Redaktion ja über das ein oder andere Bonbon, das ihr sonst nicht entdeckt hättet? Viel Spaß bei Ausgabe 38!

Alle Songs des Musicfridays findet ihr auch in der zugehörigen Playlist bei Spotify.

 

DANIELS FREITAG

Wer mich mittlerweile bissl kennt, wird wissen, was heute bei mir an
erster Stelle stehen muss. Natürlich BULLET FOR MY VALENTINE. Nach dem
überraschend aggressiven “Knives” folgte heute Single Nummer 2 vom
kommenden, selbstbetitelten Album. “Parasite” demonstriert dabei
abermals, dass BULLET sich scheinbar neu erfunden haben. Ich bin arg
gespannt, was uns die nächsten Monate noch erwarten wird.

 

Etwas ruhiger geht’s bei RISE AGAINST zu. Diese haben eine
Akustikversion des Titelsongs ihres aktuellen Albums “Nowhere
Generation” veröffentlicht. Besonders schön macht diese Version dabei
das Feature mit der Sängerin Meg Myers. Ich möchte fast behaupten, dass
mir der Song so noch besser gefällt.

 

Dass Leipzig einiges an guten Bands zu bieten hat, sollten die Meisten
mittlerweile mitbekommen haben. Auf Anhieb fallen mir da LEAVE.,
BLACKTOOTHED und INNER SPACE ein. Nun wurde mein Radar noch weiter
ausgebaut und mit THE SLEEPER gesellt sich bei mir eine weitere
Entdeckung dazu. Diese haben mit “Coven” kürzlich schon ein ziemliches
Brett von Song veröffentlicht, und nun steht mit “Haven” ein neuer
Knaller vor der Tür. Dringende Reinhörempfehlung für alle, die mit Core
in seiner melodischsten Form etwas anfangen können!

 

Die Deathcore-Ikonen von CARNIFEX haben da auch etwas neues am Start.
“Graveside Confessions” ist nicht nur ein Hammer sondersgleichen,
sondern auch die erste Single und Titelsong des nunmehr achten Albums,
welches am 3. September bei Nuclear Blast erscheint.

 

Es kommt nicht mehr allzu oft vor, dass mich Metalcore noch wirklich
überraschen kann. ARTEMIS RISING haben das aber nun geschafft. In der
neuen Single “Phoenix” tummeln sich da so ein paar Elemente aus weit
entfernten Genres, die ich so kombiniert noch nicht gehört hab.
Zugegeben, ich weiß noch nicht ganz genau, was ich davon halten soll. Ich
geb dem Song aber noch den ein oder anderen Durchlauf, denn irgendwie
hat er sich schon in mein Ohr gefressen. Verrückt!

 

Für Freunde von Online-Konzerten hab ich auch noch was. BEYOND
FREQUENCIES haben kürzlich das “Bloody Online Festival” geheadlined. Aus
eben jenem Konzert, dass ihr euch hier https://bit.ly/3rkD4hq noch bis
Ende August anschauen könnt, hat die sympathische Band jetzt einen Song
als Appetithappen veröffentlicht. “Favorite Mistake” gibt es hier zu
sehen:

 

RAPHAELS FREITAG

CALVA LOUISE haben mit “The Odds” einen weiteren Song ihres neuen Albums “Euphoric” vorgestellt. Eine sehr abwechslungsreiche Klanglandschaft sorgt für verträumten Indie Rock mit dezenten Prog- und Folk-Noten sowie lateinamerikanischen Einflüssen. “The Odds” ist eine musikalische Rückbesinnung auf das, was im Leben wirklich wichtig ist, und was wir zumeist nur in der Natur sehen können. Das Album erscheint im Oktober bei Blood Records und kann hier vorbestellt werden.

 

Bereits heute erscheint “Participation Mystique” von LORE CITY aus Portland, Oregon. Geheimnisvoll und düster tauchen Laura Mariposa Williams und Eric Angelo Bessel in eine atemberaubende Welt aus Art Rock und Post Rock ab. Auf der Bandcamp Seite vom US-amerikanischen Duo könnt ihr mehr hören oder auch die Schallplatte käuflich erwerben.

 

Wenn es ein wenig metallener sein darf, ist hier gleich ein weiteres Release des heutigen Tages. PLANT MY BONES aus Helsinki veröffentlichen ihre erste EP “Stage 1.0” beim finnischen Label Inverse Records. Das Trio versorgt die Ohren mit dynamischem und modernem Prog Metal der melodischen Gangart. Auch hierzug findet ihr mehr bei Bandcamp.


Und zum Abschluss noch etwas Blackgaze aus dem dänischen Aarhus. MØL melden sich zwei Jahre nach Veröffentlichung des Langspielers “I/II” lichtscheu zurück. Die neue Single “Photophobic” ist ein faszinierendes Zusammenspiel aus Black Metal, Shoegaze, melodischen und symphonischen Elementen. Das nächste Album “Diorama” ist für November angekündigt und wird bei Nuclear Blast vertrieben.

 

JULES FREITAG

THRICE ist eine der Bands, die ich im letzten Jahr lieben gelernt habe. Ich kann nicht genau sagen was mich an ihrem Stil so fasziniert, aber die Songs packen mich einfach immer wieder.
3 Jahre nach dem letzten Album kündigen sie mit dem Song “Scavengers” nun schon ihr 11. Studioalbum an, welches den Titel “Horions/East” tragen wird. “Scavengers” kommt im Vergleich zu dem Rest etwas härter daher und wird schon fast hypnotisch in Richtung Refrain.

 

Hier kommt nun auch schon “Erase”, die zweite Single vom kommenden Album von ZEAL AND ARDOR, welches voraussichtlich im Februar erscheinen soll. Der Song selbst kommt wieder mit der für Manuel Gagneux typischen Mischung aus ruhigen und harten Elementen daher. Das lässt die Vorfreude auf das neue Album bei mir nur noch umso mehr steigen.

 

SASKIAS FREITAG

Mit HAWTHORNE HEIGHTS meldet sich diese Woche eine der Emo-Bands schlechthin zurück! Ihre neue Single “Constant Dread” kombiniert alte sowohl alte als auch neue Einflüsse und bietet obendrein noch eine Überraschung: COUNTERPARTS Frontman Brendan Murphy hat einen kurzen Gastauftritt im Song, der es in sich hat. Kurzum: “Constant Dread” ist ein Fest für Fans!

 

Auch IMMINENCE, die erst vor drei Monaten ihre Single “Temptation” veröffentlich haben, legen noch einmal nach. “Heaven In Hiding” heißt die neuste Veröffentlichung der Schweden, welche sich mit den Worten “ganz großes Kino” sehr treffend beschrieben lässt. Nicht nur musikalisch bewegen sich IMMINENCE wie üblich auf sehr hohem Niveau, auch das Musikvideo zu “Heaven in Hiding” überzeugt durch ebenso hohe kinematographische Qualität. 

 

Etwas mehr Progressive Post-Hardcore, etwas mehr Math Rock liefern die Briten von BLIGHT TOWN mit ihrer Single “Frostilicus”. Da der Songtitel mich direkt an einen NPC in World of Warcraft erinnert, gibt es direkt Bonuspunkte bei der Namenswahl. “Frostilicus” spiegelt verschiedene musikalische Einflüsse, was mich persönlich nicht stört, da der Song einfach Spaß macht. Ich bin gespannt auf mehr!

 

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ORDEN OGAN – ein Inferno?

ORDEN OGAN – “Final Days”

Veröffentlichungsdatum: 12.03.2021
Länge: ca. 50min.
Label: AFM Records
Genre: Power Metal

Vier Jahre ist es jetzt her, dass ORDEN OGAN ihr letztes Album “Gunmen” veröffentlichten. Zeit für etwas Neues! Mit “Final Days” präsentieren die Power-Metaller ein zehn Tracks starkes Album, das sowohl mit epischen Ohrwürmern, aber auch mit herzzerreißenden Balladen aufwartet. Damit kann man doch eigentlich nichts falschmachen?

Gleich der erste Song “Heart Of The Android” ist ein großer Favorit von mir. Der Refrain, gleichermaßen melodisch und episch, geht super schnell ins Ohr und verleitet zum Mitsingen aus tiefster Seele. Die eingängigen Refrains sind generell eine Stärke von ORDEN OGAN und finden sich in fast jedem Song, so auch im zweiten Track “In The Dawn Of The AI”.

Unter dem Namen des dritten Tracks “Inferno” hätte ich mir allerdings etwas anderes vorgestellt. Ein Inferno halt! Dafür klingt er mir fast ein bisschen zu zahm. Der vierte Track “Let The Fire Rain” ist dann wieder voll nach meinem Geschmack, auch wenn ich finde, dass er noch einen Tick detaillierter oder noch bombastischer hätte sein können. Das Potenzial für “total epicness” ist jedenfalls da!

Der sechste Song “Alone In The Dark” ist nicht nur eine wunderschöne Ballade, sondern auch noch ein feature mit der bezaubernden Ylva Eriksson von BROTHERS OF METAL! Definitiv ein Highlight, auch wenn ich die Platzierung mitten im Album etwas seltsam finde. Ich hätte die Ballade eher ans Ende gestellt, denn so folgt den melancholischen Sehnsuchtstönen recht übergangslos wieder die mächtigen Powermelodien. Wobei der letzte Track “It’s over” schon auch gut als Abschluss passt.

“Final Days” kann man glaube ich getrost als Konzeptalbum betiteln, sowohl thematisch als auch vom Klang zieht sich durch alle Songs ein roter Faden. Dazu ist sind die 50 Minuten auch gut am Stück zu hören. Dank ihrer eigängigen Motive funktionieren die Songs aber auch einzeln ganz wunderbar.

Was gibt es also zu meckern? Nicht viel. Allein, ich vermisse eine derart epische Hymne wie „Gunman“, „Fever“ oder „Fields of Sorrow“ auf dem Album. Tracks wie “Heart Of The Android” oder “In The Dawn Of The AI” sind zwar episch, aber dieser Hymnen Charakter fehlt mir irgendwie. Vielleicht legen ORDEN OGAN beim nächsten Album ja nochmal eine Schippe an Bombast und Ausdrucksstärke drauf – wie wär’s zum Beispiel mit einer epischen Alternativversion von “Let The Fire Rain”?

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HARAKIRI FOR THE SKY im Interview

Am 19. Februar haben HARAKIRI FOR THE SKY ihr neues und mittlerweile fünftes Album “Mære” (hier geht’s zur Review) auf den Markt gebracht. Gastautor Alex und ich hatten vorab die Chance, mit Sänger J.J. zu sprechen: Über Kuschelkonzerte, die Tier-Tradition der Coverartworks und warum englische Wörter nicht immer die bessere Wahl sind.

Merlin: Eigentlich geht’s ja um euer neues Album, aber natürlich kommen wir um das Thema Corona nicht herum. Ihr musstet ja schon den Release-Termin verschieben, größere Veranstaltungen sind auch in Österreich erstmal tabu, wie schaut’s da aus – habt ihr irgendeine Perspektive?

J.J.: Nah… net wirklich. Also zur Zeit… ich glaub, bis auf Neuseeland und Australien liegt überall alles auf Eis zur Zeit. Die Bayern wollen ja jetzt auch erstmal die Grenzen zu Österreich dicht machen, weil wir hier unseren Lockdown lockern. Mit vorsichtigem Optimismus traue ich uns irgendwelche minimalistischen Abstandsfestivals im Sommer zu, so wie 2020 das WOLFSZEIT (hier geht’s zum Festivalbericht). Halt mit Masken und Abstand für 2500 Leute statt für 10.000 oder so. Sowas trau ich uns zu, aber auch eher so im regionalen Umfeld. Nix, was großartig mit Fliegen oder sonstigwas verbunden ist. Das wär dann glaub ich alles schon wieder ein bisschen zu kompliziert…

Keine Ahnung, wer weiß, ob die ganzen Herbsttouren funktionieren! Bei der Impfbereitschaft, wie langsam das momentan weitergeht… da haben wir vielleicht schon wieder ein anderes Virus, bevor wir das hier unter Kontrolle haben. In Österreich ist die Impfbereitschaft gerade viel zu gering für eine baldige Herdenimmunität.

Da brauch ich mir glaub ich die Welt nicht schöner reden, als sie ist

Alex: Im Backstage in München zum Beispiel gab es ja in 2020 ein paar Abstandskonzerte…

J.J.: Ja, da hab ich mit meiner anderen Band gespielt, mit KARG. Und das hat, finde ich, ganz gut funktioniert. Dadurch, dass nicht nur vier Leute an einem kleinen Tisch gesessen sind, sondern doch glaube ich bis zu zehn, hatte man so ein bisschen das Feeling, wie am Anfang, wenn du mit einer Band startest und du hast nur das erste Album und dann sind halt, wenn du unter der Woche in Wien spielst, nur deine Freunde da, weil sich sonst halt keiner dafür interessiert. Und so kommt einem das halt vor, wie ein Kuschelkonzert, nur mit den engsten Freunden, da ein paar, da ein paar, da ein paar. Also ich hab’s gut gefunden.

Es war auf jeden Fall besser, als gar nichts zu machen. Die Leute haben sich ja auch gefreut, also da hat’s keine schlechten Resonanzen gegeben. Die haben auch fleißig Shirts und Platten gekauft, weil sie froh waren, endlich mal wieder face to face Kohle für Merchandise ausgeben und auch ein bisschen quatschen zu können. Vielleicht bekommen wir sowas wieder hin bis zum Herbst. Aber so Festivals wie die, wo wir unsere Jugend verbracht haben… davon sind wir glaub ich noch mindestens anderthalb Jahre entfernt, also mindestens bis Sommer 2022. Da brauch ich mir glaub ich die Welt nicht schöner reden, als sie ist.

Merlin: Wie habt ihr denn die Festivals unter Corona-Bedingungen erlebt? Du hast ja das WOLFSZEIT schon angesprochen und auf dem FIMBUL habt ihr ja auch gespielt, wie war das für euch?

J.J.: Ich hab’s nicht als so schlimm empfunden. Ich hätt’s lästig gefunden, wenn wir als Band beim Soundcheck Masken hätten tragen müssen, weil das ist ja dann auch nicht wenig anstrengend, auch wenn’s nur ein Soundcheck ist. Und vorher trägst du das ganze Zeug rauf und hin und her.

Ich hab mich in das ganze Corona-Thema generell nicht so reingesteigert. Ohne das Virus verharmlosen zu wollen, aber es ist schon lustig, wenn wir mal zwei Tage lang miteinander gesoffen haben, was mit 30 Jahren auch nicht mehr so ohne ist, und dann fühl ich mich am dritten Tag krank und sie kommen gleich so, „mach doch n‘ Corona-Test“. Ich bin schon wieder die ganze Zeit im Winter draußen gestanden und hab geraucht, ohne Jacke, aber du darfst einfach nicht mehr normal verkühlt sein, weil sofort… naja. Aber wir halten uns in der Band natürlich alle an die Vorgaben, also da gibt’s keine Diskussion!

Wie ein Kuschelkonzert, nur mit den engsten Freunden

Merlin: Kommen wir zu eurem neuen Album: Wir seid ihr auf den Namen gekommen, wie seid ihr auf das Cover gekommen und wie geht das zusammen?

J.J.: Also „Mære“ kommt ja von Albtraum. Und im Endeffekt ist das Cover eine Metapher, auch für die heutige Zeit… die Freiheit wird einem genommen, nicht nur wegen Corona, sondern alles wird überwacht… und wenn man 30 wird, da merkt man so, die Freundschaften lassen nach, man trifft nicht mehr so viele Leute, der social-media-Effekt, man hat 1000 Freunde, aber nur drei richtige… Und das mit dem „die Haut überziehen“ ist ja für ein Tier auch etwas Albtraumartiges. Das ist uns auch aufgefallen, dass wir noch kein Cover ohne Tier veröffentlicht haben. Das ist so ein bisschen Band-policy, dass da ein Tier drauf muss. Also jetzt im Normalfall nicht ein Elefant oder so, sondern ein Tier – jetzt nicht nur wegen dem Black-Metal – das mit dem, wo wir herkommen, etwas zu tun hat, mit Österreich. Also das ist jetzt nichts Lokalpatriotisches, aber zu diesen Tieren hat man halt einen Bezug.

Und joa, wir haben da erst lange rumgesucht und Matthias ist dann zufällig bei Instagram über diese Zeichnung gestolpert. Die ist von einer jungen holländischen Künstlerin. Mit der haben wir dann geschrieben und sie gefragt, ob sie das Bild noch leicht verändern würde, mit anderen Farben, weil wir uns diesmal auf rot-schwarz geeinigt hatten. Dieses gold-schwarz wie bei „Arson“, das ist Matthias Ding gewesen. Da ist er mir vier Alben lang in den Ohren gelegen, dass er das unbedingt haben möchte. Deshalb hab ich damals gesagt, okay, dieses Album machen wir es so, wie du willst, aber dafür nehmen wir dann schwarz-rot beim nächsten.

Und der Titel „Mære“ spielt auf eine Art Guhl an, der des nachts auf deiner Brust sitzt und dich vom Schlafen abhält. Und das ist für uns oder vor allem für mich eine Metapher für die Gedanken, die sich auch in den Songtexten widerspiegeln und die mich nachts vom Schlafen abhalten.

Alex: Wie kamen denn die Features auf dem Album zustande, vor allem das mit Neige von ALCEST? Der hat ja auch so eine Tendenz, andere Bands zu fragen, auch solche, die stilistisch erstmal gar nichts mit ALCEST gemein haben, und dann einfach zu sagen „hey, ich mag eure Musik, lass mal ne Tour machen!“

J.J.: Ja, und Neige ist so gescheit, dass er weiß, dass es viel mehr Sinn ergibt, mit Bands zu touren, die alle ein bisschen in ne andere Schiene gehen, und nicht drei Bands zu nehmen, die alle aus demselben Genre kommen. Ich würde zwar nicht sagen, HARAKIRI und ALCEST könnten nicht zusammen auf Tour gehen, weil das zu ähnlich ist, aber dann müsste zumindest die dritte Band komplett in eine andere Richtung gehen, damit das irgendwie heraussticht.

Also Matthias schreibt schon lange mit Neige bei Facebook, die haben einen recht ähnlichen Musikgeschmack. Und da haben die zwei eben auch Musikideen hin und her geschickt. Und dann trifft man sich irgendwann persönlich, was halt passiert, wenn man auf ähnlichen Festivals spielt. Dass man dann zuerst im selben Backstage abhängt, dann spielt HARAKIRI vor ALCEST und dann gehen die auf die Bühne, wenn wir von der Bühne gehen. Da kennt man sich dann ein bisschen zumindest. Jedenfalls sind wir dann zusammengesessen, sollen wir uns trauen, dass wir Neige fragen? Dann haben wir ein bisschen was getrunken und irgendwann hatten wir dann genug Mut zusammen und haben ihm geschrieben, ob er beim nächsten Album bock auf ein Feature hätte. *lacht*

Und wir haben eigentlich geglaubt, nee, wir sind ihm sicher zu unbekannt, oder vielleicht auch zu ähnlich wie ALCEST oder was auch immer, aber er hat sofort ja gesagt! Es hat dann ein bisschen gedauert, da konnte er aber nichts für, sondern weil die das in Paris mit dem ersten Lockdown ja noch viel ernster genommen haben. Da hat er etwas gebraucht, bis er ein Studio gefunden hat. Das war glaube ich wirklich erst Anfang Mai. Und sonst hat das aber super funktioniert! Ich find’s auch gut, dass er etwas Cleanes singt und nicht nur schreit. Obwohl er gar nicht so viel älter ist als Matthias und ich, ist er halt doch so eine Art Jugend-hero. Und an seiner Musik orientieren wir uns natürlich auch zu einem gewissen Grad, auch wenn mittlerweile auch viel andere Einflüsse drin sind. Aber wo wir herkommen, das ist wahrscheinlich fast unüberhörbar.

“nostalgia” klingt eigentlich scheiße von der Aussprache her

Alex: Apropos Cleangesang, auf eurem zweiten Album „Aokigahara“ gab’s ja auch in einem Song eine Passage auf Deutsch…

J.J.: Ja, die war nicht von mir, sondern wir wollten Ben von FÄULNIS für das Feature haben und er hat sich nicht drauf eingelassen, einen englischen Text zu singen. *schmunzelt* Da hab ich dann im Endeffekt einfach n Vierzeiler rausgestrichen und gesagt „mach was du willst“. Ich selbst bin nie so hundertprozentig hinter gemischtsprachigen Songs gestanden, weil entweder so oder so. Also ich hab kein Problem mit Bands, die ein paar englischsprachige Songs auf ihrem Album haben und ein paar deutsche oder französische oder norwegische, aber im selben Song war das für mich jetzt nie so das Wahre. Aber ja, ich wollte Ben auf dem Album haben, weil er ein super cooler Typ ist und halt auch super coole Vocals macht – mir wär halt lieber gewesen, er hätte meinen Text gesungen in Englisch. *lacht* Aber das passt schon so für mich.

Alex: Und wie ist das mit Stimmvarianz bei dir?

J.J.: Es ist so… je älter du wirst, desto schwieriger wird das Hohe. Auf den ganz alten KARG Sachen zum Beispiel habe ich um Welten höher geschrien als jetzt. Das hat sich dann geändert, vielleicht auch durch die musikalischen Einflüsse, dass ich dann ab 2011 viel mehr Modern Hardcore und so gehört hab. Vielleicht hab ich dadurch auch automatisch hardcore-mäßiger gesungen. Aber es ist natürlich auch mit dem Alter gekommen. Auf “Aokigahara” war ich auch noch sehr hoch eigentlich. Ich weiß auch, dass meine Stimme auf 80 Minuten verteilt dann doch ein bisschen eintönig ist. Ich probier’s halt dann doch wieder mal, etwas höher zu shouten, aber das ist auch was, das man als Außenstehender oft ein bisschen unterschätzt. Dass die Aussprache von gewissen Wörtern oder Silben in gewissen Tonlagen manchmal nicht so gut funktioniert.

Matthias hat zum Beispiel auf unserem neuen Album das Wort “nostalgia” sehr gestört. “Nostalgie” klingt ja im Deutschen ganz cool, aber “nostalgia” klingt eigentlich scheiße von der Aussprache her. Also, es ist nicht immer alles so leicht, wie die Leute es auf YouTube gerne kommentieren. Oder wenn du schonmal 25 Konzerte hintereinander gespielt hast, ohne einen day off, dann quatsch nochmal mit mir drüber, wie das ist mit Stimmfarbe und jedes Mal reinschreien, was die Stimme hergibt. Da ist dann manches einfach nicht mehr möglich. Man probiert natürlich immer einen Kompromiss zu finden, dass es live doch nicht so viel schlechter als auf dem Album klingt. Weil natürlich hat man beim Album so viele Möglichkeiten, wie man will, und ich kann meinetwegen jedes Wort siebzehn mal einsingen, aber… naja. 

Merlin: Welche Bands sind denn momentan eure musikalische Inspiration? Du hattest ja schon ALCEST genannt…

J.J.: Also das ist unterschiedlich. Matthias hört gerne auch so Indie-Zeug und die neuen Sachen von DEFTONES und so… Bei mir ist es eben viel Modern Hardcore, zum Beispiel BIRDS IN ROW. Aber auch Sachen wie LUSTRE, TAAKE, von LANTLOS die “.neon”… “Spiritual Instinct” von ALCEST höre ich mir fast jeden Tag an. Witzigerweise war “Protection” am Anfang nicht mal mein Lieblingslied, sondern der erste Song “Les jardins de minuit”. Aber mittlerweile hat sich “Protection” so gemausert bei mir… Und ja, LIFELOVER und APATHIE hab ich auch gehört am Wochenende. 

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview!

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HARAKIRI FOR THE SKY – Gefangen in Gedanken

HARAKIRI FOR THE SKY – “Mære”

Veröffentlichungsdatum: 19.02.2020
Länge: ca. 85min.
Label: AOP Records
Genre: Post Black-Metal

Neun Jahre ist es mittlerweile her, dass HARAKIRI FOR THE SKY mit ihrem selbstbetitelten Album debütierten. Seitdem haben uns die Österreicher in regelmäßigen Abständen immer wieder mit neuem Material beglückt, und nun steht ihr bereits fünftes Werk in den Startlöchern: “Mære”.

Und das ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Full-length Album. Knappe 85 Minuten beträgt die Spielzeit. Das ist ja schonmal eine Ansage. Ob HARAKIRI auch über so lange Zeit ihr gewohnt hohes Niveau halten können?

Cause the more I sleep, the less I dream

Eröffnet wird das Album mit dem Song “I, Pallbearer”. Mit 7 Minuten einer der kürzeren. Wer “Arson”, den Vorgänger von “Mære” kennt, weiß, dass dort mit “Fire Walk With Me” ein unfassbar starker opener vertreten war. Da kommt “I, Pallbearer” zwar nicht ran, aber trotzdem eröffnet er nach einem kurzen Intro den typischen HARAKIRI sound: Melancholisch und melodiestark, während der Text schmerzhafte Abgründe offenbart. Abgerundet wird der Song schließlich von einem ruhigen Klavier-Outro.

Sing for the damage we’ve done
And the worse things yet to come

Der zweite Track “Sing For The Damage We’ve Done” fällt mir gleich beim ersten Hören auf. Nach einer sich immer weiter aufbauenden Gitarren-Einleitung legen plötzlich die Drums richtig los und die Kombination aus eingängiger Melodie und eindrücklichem Gesang entwickelt eine beinahe furchteinflößende Anziehungskraft. Man kann nicht mehr weghören. Und dann, nachdem die ersten 5 Minuten eh wie im Flug vergangen sind, setzt auch noch kein geringerer als Neige von ALCEST ein! Bei “Sing For The Damage We’ve Done” stimmt einfach alles. Definitiv auf der Favoriten-Liste ganz weit oben!

Carry me forever in your heart

Mit “Us Against December Skies” sind wir nun beim dritten Track, und auch dieser ist wieder ganz besonders gelungen. Hier möchte ich vor allem hervorheben, wie gut sich Text und Musik verblenden! Obwohl beides aus unterschiedlichen Federn stammt, wirkt es doch wie aus einem Guss. Der Song glänzt außerdem durch Sehnsuchtsmelodien. Folk-Ansätze, die an SKYFOREST oder gegen Ende an NIGHTWISHs “The Islander” erinnern, nehmen den Hörer mit auf eine Reise voll Fernweh und Weltschmerz.

Überhaupt könnte man zu jedem einzelnen Track auf “Mære” viel Positives sagen. Jeder hat seine eigenen einprägsamen Melodien und Rhythmen, die Songs funktionieren einzeln, aber ebenso so gut aneinandergereiht als ein großes Ganzes. Natürlich habe ich trotzdem meine Lieblinge. Auf “Sing For The Damage We’ve Done” und “Us Against December Skies” habe ich ja schon meine Lobeshymne gesungen, aber auch der siebte Track “And Oceans Between Us” soll an dieser Stelle unbedingt erwähnt sein – ein Song, der mich vom ersten Takt an mitgerissen und nicht mehr losgelassen hat. Achtung, Ohrwurm incoming!

Erwähnt seien außerdem das Feature der anonymen Stimme von GAEREA in “Silver Needle // Golden Dawn”, das schwermütige Gitarren-Intro in “Time Is A Ghost” und last but not least das in meinen Ohren großartige PLACEBO-cover “Song To Say Goodbye”. HARAKIRI FOR THE SKY haben sich mit ihren Alben stets weiterentwickelt. Der Sound wurde immer vielschichtiger, die Produktion klarer. “Mære” ist im Gegensatz zu früheren Alben eher harmonisch als beklemmend, nur die frustrierten Texte halten sich beständig.

Auch in der Ausführlichkeit ihrer Songs bleiben sich HARAKIRI treu, und hier schließt sich mein größter Kritikpunkt an: Das Album ist sehr, sehr lang. Und dabei wird es ja nicht mal in seinem Verlauf schwächer – bei keinem der zehn Tracks würde ich sagen, gerade der ist der “Track zu viel”. Im Gegenteil, jeder Song hat nach meinem Empfinden einen gerechtfertigten Platz auf dem Album. Aber sie alle in einem Stück zu genießen, das fordert doch sehr viel Zeit und Entspanntheit. Geduld ist hier die Tugend der Wahl.

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KIOVA – Same same but different

KIOVA – “Empty Fields and Smoke-Filled Skies”

Veröffentlichungsdatum: 30.10.2020
Länge: ca. 24min.
Label: Off Records/Maniyax Records
Genre: Post-Black-Metal

 

Finnland – wenn es um Metal geht, kommt man um dieses Land nicht herum. Und auch in Corona-Zeiten bleibt es nicht still. KIOVA heißt meine neueste Entdeckung, eine Post-Black-Metal Band aus der gut 200.000 Einwohner starken Stadt Oulu. Mit ihrer neuen EPEmpty Fields and Smoke-Filled Skies” haben sie es geschafft, mein Interesse zu wecken.

Nichts, vor dem man sich fürchten müsste

Das gute Stück hat eine Spielzeit von nur 24 Minuten, diese werden aber gut genutzt. Schon der erste Track The Great Famine” begeistert mit einem eingängigen Einstiegsriff, mit angenehmen growls und einem rockig-melodischen Sound. Das Motiv des zweiten Songs From Man of God to Voracious Beast” gefällt mir aber fast noch besser: Es ist simple, aber ich werde ihm trotz mehrfacher Wiederholung nicht müde. Auch wenn ich alle drei Tracks der EP gerne mag, dieser ist doch mein Favorit und ich möchte ihn euch als Kostprobe nicht vorenthalten.

Der dritte und leider schon letzte Track trägt den Titel A Glimpse Beyond und führt den Stil der beiden vorangegangenen Songs ohne große Überraschungen fort. Auch hier haben wir ein eingängiges, wiederkehrendes Riff, growls, aber auch wieder diese Art verzweifelten, “gesprochenen” Gesang, der mich an TOUCHÉ AMORÉ denken lässt. Soundtechnisch erinnern KIOVA dagegen stark an Bands wie OATHBREAKER oder FALL OF EFRAFA.

Abschließend kann ich nicht viel mehr sagen, als das mich die EP zwar nicht vom Hocker gerissen, aber mir durchaus gut gefallen hat. KIOVA erfinden zwar das Rad nicht neu. Sie klingen aber eben auch trotz bekannter Elemente nicht wie eine Kopie. “Empty Fields and Smoke-Filled Skies” ist eine schöne, runde Komposition, die ihren Platz in meiner persönlichen Playlist gefunden hat.

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WAYFARER – Westwärts

WAYFARER – “A Romance With Violence”

Veröffentlichungsdatum: 16.10.2020
Länge: 45 Min.
Label: Profound Lore Records
Genre: Black Metal

Denver – Hauptstadt des US-Bundestaats Colorado, einstige Goldgräber-Metropole und gelegen zu Füßen der berühmt-berüchtigten Rocky Mountains. Das ist die Heimat der Cowboys von WAYFARER! Die vier Musiker machen den Eindruck, geradewegs einer Western Produktion entsprungen zu sein und liefern mit “A Romance with Violence” ein Black Metal Album mit Wildwest Einflüssen – ich bin gespannt!

Howdy

Das Album beinhaltet insgesamt sieben Tracks und beginnt mit einem sanften Intro. “The Curtain Pulls Back” ist sein Name, es enthält gezupfte (Western-)Gitarrenklänge, die begleitet werden von einer schwermütigen Violine. Die Drums steigen erst beim nächsten Track “The Crimson Rider (Gallows Frontier, Act I)” ein, sie geben einen galoppierenden Rhythmus vor, natürlich auch mit Verschnaufpausen, ganz im Einklang mit der Western-Thematik. Der Gesang beschränkt sich im Gegensatz dazu auf düstere Growls und hallversetztes Krächzen, das bringt die Black Metal Note mit hinein. Mit ganzen 10 Minuten und 41 Sekunden ist es auch der längste Track des Albums und einer meiner Favoriten.

Der dritte Track “The Iron Horse (Gallows Frontier, Act II)” beginnt mit einer knackig-kurzen Wall Of Sound, die sich dann in gemächlichere, aber keinesfalls langweile Strukturen ergeht. Rhythmisch und melodisch geht es zu, auch dies ist ein Song, der mir sehr gut gefällt. Den nachfolgenden Track “Fire & Gold” finde ich dafür leider mehr als langweilig. Am Ende des Albums wäre er besser platziert gewesen, nochmal etwas Ruhiges zum Ausklingen. Aber wir sind gerade mal bei der Hälfte, und ich will noch nicht einschlafen! Auch der hier zum ersten mal auftauchende Klargesang taugt mir leider gar nicht, und so bin ich froh, dass der nächste Track “Masquerade Of The Gunslingers” (ebenfalls ein Favorit) wieder mehr in Richtung Black Metal geht.

Wildfang oder lahmes Pferd?

In den letzten beiden Songs passiert dann nicht mehr viel. Mit “Intermission” bescheren uns WAYFARER nochmal ein schönes, ruhiges Instrumental, und der letzte Track “Vaudeville” beinhaltet wieder jenen Klargesang, mit dem ich schon bei “Fire & Gold” nicht zurecht kam.

Es ist für mich ein Auf und Ab mit diesem Album. “A Romance with Violence” bietet durchaus melodischen und dynamischen Western Black Metal, aber richtige Highlights gibt es kaum, teilweise ist es schlichtweg unspektakulär. Im ganzen Album spielt die Gitarre eine wichtige Rolle, überhaupt sind die Instrumente sehr passend eingesetzt. Die dunklen Growls mag ich sehr, das klingt echt gut, der Klargesang hingegen… naja.

Aufs Ganze gesehen ist es für mich ein passables bis gutes, aber kein sehr gutes Album. Dennoch lohnt es sich meiner Meinung nach, ein Ohr zu riskieren, denn eine interessante Mischung ist es allemal. In diesem Sinne – ich reite jetzt erstmal mit Grashalm im Mund in den Sonnenuntergang.

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CAVERN – Harmonische Töne aus den Staaten

CAVERN -“Powdered”

Veröffentlichungsdatum: 28.08.2020
Länge: ca. 25min.
Label: self-release
Genre: Atmospheric Post-Rock

 

Aller guten Dinge sind… vier, richtig, und deshalb reden wir heute über das vierte Full-lenghts Album der Post-Rocker von CAVERN!
Die drei Amerikaner aus Maryland sind mit ihrem neusten Machwerk am Start, das den klangvollen, aber erstmal wenig aussagekräftigen Titel “Powdered” trägt. Was uns hier wohl erwarten mag?

Die Ruhe selbst

Sex, Drugs and Rock n’ Roll sind es auf jeden Fall nicht. CAVERN sind praktisch die Definition von “unaufgeregt”. Abwechslungsreiche Rhythmen und eingängige Melodien treffen auf den klaren Gesang von Sängerin Rose Heater, die ihre Sache wirklich mehr als gut macht. Nicht selten reagieren meine Ohren regelrecht allergisch auf weiblichen Gesang, aber bei CAVERN kann ich nicht anders, als mich von ihrer butterweichen Stimme mitreißen zu lassen.

Die Band kommt, was die Instrumente angeht, ausschließlich mit Schlagzeug, Bass und Gitarre aus. Die Kombi harmoniert perfekt mit dem im Vordergrund stehenden Gesang und sorgt dafür, dass der Sound nie überladen klingt. Obwohl ich die Musik insgesamt als ruhig bezeichnen würde, streben die Rhythmen doch beständig nach vorne und wechseln sich regelmäßig ab – für Langeweile ist hier kein Platz.

Inhalt wird überbewertet

Die Namen der Songs sind übrigens ähnlich aussagekräftig wie der Albumtitel. “River”, “Grey”, “Dove”, irgendwie werde ich nicht recht schlau aus dem Ganzen. Aber vielleicht soll man beim Hören von “Powdered” auch gar nicht so viel denken, sondern sich einfach treiben lassen im seichten Strudel des CAVERNschen Post-Rock. Ich bin mir übrigens sicher, dass das Album auch gut zum Einschlafen geeignet ist – im positiven Sinne!

Ein großer Kritikpunkt ist allerdings die “Länge” des Albums. Nur 25 Minuten sind uns vergönnt, und das finde ich für “Full-lenghts” dann doch etwas wenig. “Powdered” ist ruck-zuck durchgehört. Kaum hat man sich entspannt zurückgelehnt und die Augen geschlossen, um den sanften Groove des Albums zu genießen, ist es auch schon wieder vorbei. Schade!

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Fimbul’s not dead! – Fimbul Festival 2020

Was wo wie? Ein Festival trotz Corona? Ja, ihr habt richtig gehört, das Fimbul macht’s möglich! Nach nun mehr 7 Jahren Abstinenz kehrt das Festival zurück auf die Bornstedter Schweinsburg in Sachsen-Anhalt, dorthin, wo sonst auch das Dark Troll stattfindet (welches dieses Jahr leider coronabedingt ausfallen musste). Am 4. und 5. September gibt es wieder Futter für die ausgehungerten Festivalfreunde!

Mit Schmankerln wie WALDGEFLÜSTER und HELRUNAR, mit alten Hasen wie FINSTERFORST und XIV DARK CENTURIES, aber auch mit einer Reihe an kleineren Bands beschert uns das Fimbul ein spannendes Line-Up zwischen Pagan und Black Metal. Leider zeigt Corona auch hier Wirkung: Kaum eine ausländische Band hat es ins Line-Up geschafft. Dafür bekommen wir aber Mucke aus den verschiedensten Winkeln Deutschlands geboten – die ein- oder andere Neuentdeckung ist quasi vorprogrammiert!

Gezeltet werden kann, wie auch beim Dark Troll üblich, oberhalb der Burg. Von da aus ist es nur ein Katzensprung zum Festivalgelände, auf dem sich nicht nur die Bühne befindet, sondern auch diverse Stände sowohl zur Verpflegung als auch zum Stöbern zur Verfügung stehen. Und dann wäre da natürlich noch der großartige Ausblick ins Tal

Das Fimbul bietet eine wunderbare Kombination aus überschaubarer Größe, fantastischer Location und interessantem Line-Up. Wer dieses Jahr nicht ohne Festival bleiben möchte, der hat noch bis Sonntag, 30. August Zeit, sich ein Ticket zu sichern! Ich freue mich jedenfalls auf ein entspanntes Fimbul 2020 – und darauf, dass der Festivalentzug der letzten Monate endlich ein Ende findet!

Hier geht’s zur Festivalwebsite, wo ihr auch die wichtigen Corona-Schutzmaßnahmen finden könnt.
Zum Facebookevent geht’s hier entlang!

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Die Ärzte – Alles ist PUNK!

Da ist sie also: die neue Single der besten Band der Welt (aus Berlin!), welche den klangvollen Namen “Morgens Pauken” trägt und bereits im Vorfeld für viel Furore gesorgt hat. Mal von dem Cover abgesehen, welches auch schon die “Fleisch EP” der Vorgängerband SOILENT GRÜN zierte. Kurz nach der Ankündigung, inklusive “neues Album im Herbst”, tauchten auf den gängigen Social Media Portalen Accounts auf, die alle irgendwie mit der Band, bzw. der Single in Verbindung zu stehen schienen. So hörten sie alle auf den Namen “Pauke” oder “Pauke2020”. Auf all diesen Kanälen wurden Songschnipsel veröffentlicht, welche sich im Nachhinein aber allesamt als Fake darstellten und mittlerweile gelöscht wurden. Selbst Farin Urlaub äußerte sich im Gästebuch auf bademeister.com zu den Accounts, wodurch schon klar wurde, dass es sich nicht um eine offizielle Werbekampagne dreht. Wenn auch eine Kreative, zugegeben. Die Band selbst teaserte den Song auf der Homepage mit einer Roboterstimme im Hintergrund (“Alles ist…”), sowie 3 Bildchen (jeweils eins pro Bandmitglied) zum Video in den letzten Tagen an. 

APROPOS KREATIV… 

Das zugehörige Video zum Song ist mMn. sowieso schon ziemlich cool, allerdings bin ich in einer Fangruppe auf Facebook über eine Analyse gestolpert, deren Aussagen mir so in dem Ausmaß nie aufgefallen wären. So finden sich im Clip dutzende Anspielungen zur gesamten Historie der Band. Schaut doch mal genau hin, ob ihr sie alle entdecken könnt. “Planet Bank” zum Beispiel ist nur eine von vielen. Wenn man sich das mal alles zu Gemüte führt, würde ich beinahe vom kreativsten Video seit Ärztegedenken sprechen. Entsprechendes Vorwissen allerdings vorausgesetzt: 

Musikalisch betrachtet find ich “Morgens Pauken” durchaus überraschend. Nach der “3 Mann – 2 Songs” EP und der Coronahymne schlechthin “Ein Lied Für Jetzt” (übrigens auch auf der Single enthalten) schlägt der Song eine schnellere, härtere Gangart mit wiedermal augenzwinkerndem Text ein. Grob zusammengefasst kann man dazu eigentlich nur sagen: Alles ist Punk! Was mir dabei aber am Besten gefällt: im Song sind alle 3 Mitglieder zu hören. Gab es so in der Form schon lange nicht mehr. Geschrieben wurde er von Bela und Rod

Was man zur Single noch erwähnen kann, ist eine “lustige” Radiopanne (falls nicht auch so gewollt). So sollte die Nummer gestern, am 20.8. am Abend gegen 18:05 bei Radioeins laufen. Dies kommunizierte der Sender auf Anfrage eines Hörers bei Twitter. Auch ich war natürlich neugierig und schaltete pünktlich ein, auch wenn ich sonst praktisch null Radio höre. Da saß ich nun und DIE ÄRZTE wurden auch gespielt. Allerdings lief “Himmelblau”. Nicht dass ich den Song nicht mag, ganz im Gegenteil, aber die versprochene neue Single war das quasi nicht. Ob dies nun ein kleiner Streich war um Hörer zu haschen, oder ein Praktikantenfehler, der irgendwie in voller Übermotivation den falschen Song rausgesucht hat, man weiß es nicht. Jedenfalls wurde das daraufhin natürlich auch hitzig im Netz breitgetreten. Ein Nutzer postete dann einen Link zu einem Radiosender aus Österreich, die den Song auch gespielt hatten, und bei dem man sich das im Nachgang nochmal anhören kann. So kam ich doch noch ein paar Stunden eher dazu. Aber macht ja nix, nun ist ja alles überall und offiziell zu hören. 

ES WIRD HELL

Im Zuge der Veröffentlichung wurde auch der Name und Termin des neuen Albums angekündigt. “Hell” soll es heißen und am 23. Oktober das (helle) Licht der Welt erblicken. Auch das wurde übrigens schon vorher geleaked. Ein Mitarbeiter von Saturn hat dazu ein Bild in’s Netz gestellt, auf dem das Programm zu sehen ist, mit dem da gearbeitet wird. Dieses zeigte eben die Infos. Das Internet also mal wieder, Fluch und Segen zugleich. Ob ich mich dann zum Album hier äußern werde, weiß ich noch nicht. DIE ÄRZTE ist die Band bei mir, bei der ich wahrscheinlich nicht objektiv genug urteilen kann. Vielleicht findet sich dafür ja ein anderer Schreiberling. 

Interessant dazu auch noch: schaut man mal bei Amazon oder iTunes in das kommende Album, so sieht man zwar, dass es 18 Tracks umfasst, allerdings keine Songnamen, außer dem Aktuellen. Lediglich die BPM werden aufgelistet. Finde ich sehr witzig und spannend. 

Auch zur anstehenden Tour gab es gestern eine Mitteilung des Ticketanbieters. So hat sich die Band selbst zu ihm geäußert, dass die Tour höchstwahrscheinlich komplett um ein Jahr verlegt werde. Auch wenn es noch nicht offiziell bestätigt wurde, so gehe man momentan davon aus. Da hängt natürlich erstmal viel Planung und Organisation dran. Immerhin beginnt die Tour theoretisch im November und bis Ende Oktober gilt ja gerade noch das Großveranstaltungsverbot. Eigentlich offensichtlich, dass nicht direkt im Anschluss solch große Events möglich sein werden. 

Auf jeden Fall ist wieder einiges los im Hause BFR und ich bin gespannt auf alles, was so in nächster Zeit kommt. Offizielle Infos findet ihr natürlich immer auf bademeister.com 

Der Beitrag Die Ärzte – Alles ist PUNK! erschien zuerst auf Silence Musik Magazin.