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CARNIFEX: Graveside Confessions

Die freundlichsten Zeitgenossen waren CARNIFEX noch nie, doch selbst im Vergleich zum unerbittlichen Vorgänger „World War X“ (2019) scheint irgendetwas anders zu sein. Sind es die Folgen des Pandemie-Lockdowns oder der Ausstieg von Lead-Gitarrist Jordan Lockrey, dessen Vakuum nun von Rhythmusklampfer Cory Arford in einer Doppelschicht gefüllt wird? Wir wissen es nicht, können uns aber einer Sache kaum erwehren: „Graveside Confessions“ zeigt die Band roher als zuletzt.

Das mag auch an Mick Kenneys (ANAAL NATHRAKH) dreckigem Mix am Anschlag liegen, gleichzeitig haben CARNIFEX jedoch ihre symphonischen Elemente hörbar zurückgefahren. Die Synthesizer stützen jetzt vorwiegend im Hintergrund das Fundament, anstatt uns mit Bombast zu bombardieren. Das sorgt zugleich dafür, dass die Black Metal-Anleihen zum Teil weniger plakativ zum Tragen kommen als noch auf „World War X“, ohne die unheilige Atmosphäre jedoch komplett zu opfern. „Seven Souls“ spielt dosiert mit schwarzmetallischen Anleihen, dringt aber stimmlich und rifftechnisch auch in morbide THE BLACK DAHLIA MURDER-Regionen vor.

CARNIFEX halten die Intensität am Anschlag, sind aber nicht vor den Tücken der Routine gefeit

Die Intensität halten CARNIFEX dabei wie gewohnt am Anschlag, während sie uns in „Pray For Peace“ mit einem regelrechten Deathcore-Inferno in den Boden rammen. Das Rezept aus knallenden Breakdowns, brutalen Growls und einem Schuss Melodie in der Gitarrenarbeit veredelt auch den Titeltrack sowie das dynamische „Cursed“, das als Musterbeispiel für Blackened Deathcore durchgehen könnte.

Nach über anderthalb Dekaden im Geschäft läuft das Songwriting eben, was natürlich nicht unbedingt heißt, dass „Graveside Confessions“ vor den Tücken der Routine gefeit ist. Glücklicherweise prügelt sich das Quartett auch diesmal ohne Ausfall durch die zwölf neuen Kompositionen (inkl. des KORN-Covers „Dead Bodies Everywhere“), offenbart im zweiten Drittel derweil eine gewisse Limitierung in der Herangehensweise: „Talk To The Dead“ und „Carry Us Away“ etwa kopieren im Prinzip die Blaupause der bisherigen Stücke, wodurch die Spannungskurve doch etwas abflacht.

“Graveside Confessions” ist ein boshaftes Werk, dem auf Dauer aber etwas die Luft zum Atmen fehlt

Das ruhige Instrumental „January Nights“ kommt daher genau zum richtigen Zeitpunkt, um tief Luft zu holen, bevor in der zweiten Albumhälfte dasselbe Spiel von vorne beginnt. Richtige Akzente setzen CARNIFEX dann nur noch selten, bleiben dafür immerhin auf durchweg gefälligem Niveau, sei es mit dem angeschwärzten Banger „Cemetery Wander“ oder dem packenden Rausschmeißer „Alive For The Last Time“ mit seinen subtilen Piano-Akzenten.

So weit, so gut – und doch ist „Graveside Confessions“, dem angesichts des anstehenden 15-jährigen Jubiläums des Debüts „Dead In My Arms“ (2007) drei Neuaufnahmen als Bonus beigefügt wurden, am Ende mit rund 63 Minuten Spielzeit eine zu lange Angelegenheit. CARNIFEX verlassen sich zu sehr auf ein bestimmtes Schema und vergessen dabei, dass selbst ein grimmiges, boshaftes Werk wie „Graveside Confessions“ etwas Luft zum Atmen braucht – und sei sie auch noch so modrig.

Veröffentlichungstermin: 3.9.2021

Spielzeit: 63:26

Line-Up

Scott Ian Lewis – Vocals
Cory Arford – Guitar
Fred Calderon – Bass Guitar
Shawn Cameron – Drums

Produziert von Shawn Cameron und Mick Kenney (Mix und Mastering)

Label: Nuclear Blast

Homepage: http://carnifexmetal.com/
Facebook: https://www.facebook.com/CarnifexMetal

CARNIFEX “Graveside Confessions” Tracklist

  1. Graveside Confessions (Video bei YouTube)
  2. Pray For Peace (Video bei YouTube)
  3. Seven Souls (Lyric-Video bei YouTube)
  4. Cursed (Visualizer bei YouTube)
  5. Carry Us Away
  6. Talk To The Dead
  7. January Nights
  8. Cemetery Wander
  9. Countess Of Perpetual Torment
  10. Dead Bodies Everywhere (KORN-Cover) (Audio bei YouTube)
  11. Cold Dead Summer (Visualizer bei YouTube)
  12. Alive For The Last Time
  13. Collaborating Like Killers – (Graveside Edition)
  14. My Heart In Atrophy – (Graveside Edition)
  15. Slit Wrist Savior – (Graveside Edition) (Video bei YouTube)

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